Fotos bearbeiten

Wie kann ich mich gegen Datenverlust schützen? Macht es Sinn, unterwegs schon Fotos zu bearbeiten oder geht das nur am grossen Bildschirm zuhause? Wie sieht ein optimaler “Workflow” aus? Hier stellen wir unsere Erfahrungen hierzu, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zusammen.

Datensicherung

Eine Datensicherung ist immer eine gute Idee. Denn eine Speicherkarte kann mal verloren gehen oder den Geist aufgeben. Wer nur eine Kopie der Daten ziehen möchte, kann dies mit einer Festplatte mit eingebautem SD-Karten-Laufwerk machen.

Wer aber die Fotos unterwegs gleich auch schon sichten möchte, sollte ein Tablet oder Notebook mitnehmen. Bis vor kurzem reisten wir immer mit einem Notebook. Doch mittlerweile kann ein iPad Pro alles, was unterwegs notwendig ist. Aufgrund des kleineren Gewichts ist dies aus unserer Sicht die empfehlenswerteste Option.

JPG oder RAW?

Ob man im JPG- oder RAW-Format fotografiert, ist eine persönliche Entscheidung. JPG ist komfortabel, weil die Kamera bereits die Schärfe, Kontraste und Farben optimiert. Zudem kann eine JPG-Datei gleich für Social Media- oder Web-Posts eingesetzt werden.

JPG hat aber zwei gravierende Nachteile: Erstens „weiss“ die Kamera nicht in jeder Situation, welche Anpassungen gewünscht sind. Soll ein Sonnenuntergang möglichst kräftig oder zart sein? Sollen Bäume im Vordergrund eines Sonnenuntergangs aufgehellt werden oder sollen sie wie Scherenschnitte aussehen? Und zweitens ist JPG eine verlustbehaftete Komprimierung. Es gehen also die ursprünglichen Bildinformationen verloren und man kann die Anpassungen durch die Kamera nur bedingt rückgängig machen oder übersteuern.

Das RAW-Format ist hingegen eine Art digitales Negativ. Es beinhaltet alle Bildinformationen und ermöglicht so eine maximale Flexibilität bei der Bearbeitung durch den Fotografen. RAW-Bilder muss man aber bearbeiten, damit sie gut aussehen. Wer also „ernsthaft“ fotografieren möchte, kommt um RAW und die nachfolgende Bildbearbeitung nicht herum.

Die meisten Kameras bieten auch die Möglichkeit, JPG und RAW parallel zu speichern. So hat man das Beste von beiden Formaten, allerdings auch einen deutlich höheren Speicherbedarf.

Bildbearbeitung

Auch hier gibt es eine Vielzahl von Optionen. Wer seine Fotos als JPGs speichert, wird vermutlich nur geringe Anpassungen vornehmen. Dazu eignet sich z.B. die Foto-App, die auf jedem Apple-Gerät mit dabei ist. Um RAW-Dateien zu "entwickeln", benötigt man aber eine Lösung mit erweiterten Möglichkeiten. Wir nutzen Adobe Lightroom CC. Diese cloudbasierte Lösung ist zwar nicht ganz günstig, bietet aber neben der Verwaltung und Bearbeitung von Fotos auch gleich eine Cloud-Datensicherung. Zudem lassen sich damit unterschiedliche Geräte per Synchronisation auf demselben Stand halten.

Auf die Bedienung von Lightroom gehen wir hier nicht vertieft ein. Dazu gibt es auf YouTube diverse Anleitungen, die das bestens abdecken. Nützlich (und unterhaltsam) sind in diesem Zusammenhang z.B. auch die Videos von Pavel Kaplun.

Unser "Workflow"

Wir setzen auf folgende Lösungen: iPad Pro, Apple SD-Karten-Adapter, Lightroom CC. Doch der Reihe nach…

Vorbereitung: Zeit und Datum der Kameras synchronisieren

Fotografiert man mit mehreren Kameras, sollte man dafür sorgen, dass die Uhren der Kameras exakt gleich gehen (gleiches Datum, gleiche Uhrzeit, gleiche Zeitzone). Dabei ist es nicht wichtig, dass die Kamera die Zeit der aktuellen Zeitzone anzeigt. Es reicht, wenn man die Kameras alle auf dieselbe Zeit in der Heim-Zeitzone einstellt.

So kann man die Fotos später alle nach Aufnahmezeit sortieren und hat gleich alles in der richtigen Reihenfolge.

Schritt 1: Fotos auf iPad laden

Wenn man die SD-Karte mit dem Adapter ans iPad anschliesst, startet automatisch die Foto-App. Die noch nicht importierten Fotos werden zum Import vorgeschlagen. Auch wenn man die Fotos später in Lightroom bearbeiten will, ist die erste Station immer die Foto-App. Etwas anderes lässt Apple nicht zu.

Also importiert man die Fotos zuerst in die Foto-App. Die Frage, ob man die importierten Fotos behalten oder löschen möchte, sollte man mit "behalten" beantworten. Denn zumindest solange man unterwegs ist, macht diese Art der Datensicherung sicher Sinn.

Schritt 2: Fotos in Lightroom importieren

In der Lightroom App wählt man "Importieren aus Aufnahmen" und wählt die eben in die Foto-App importierten Fotos aus. Am besten importiert man die Fotos direkt in ein spezielles Album, das man z.B. nach dem Anlass oder der Reise benannt.

Nach abgeschlossenem Import in Lightroom können die Fotos in der Foto-App gelöscht werden. Denn Lightroom speichert die Daten separat, so dass man die Fotos nicht doppelt im (teuren) iPad-Speicher halten muss.

Die Schritte 1 und 2 wiederholt man mit jeder Kamera.

Schritt 3: Fotos auswählen

Hat man alle zu sortierenden Fotos in einem Album zusammengefasst, so kann man mit dem Auswählen beginnen. Weil es fast unmöglich ist, auf einen Schlag x Tausend Fotos auf ein verträgliches Mass zu reduzieren, machen wir das in mehreren Durchgängen. Lightroom bietet dafür die Möglichkeit, Fotos mit 0-5 Sternen zu bewerten. Im ersten Durchgang markieren wir alles, was einigermassen gut aussieht, mit einem Stern. Dann filtern wir die Ansicht, so dass nur noch Fotos mit mindestens einem Stern sichtbar sind. Beim nächsten Durchgang bewerten wir die besten mit zwei Sternen. Vermutlich sind es dann immer noch zu viele. Also: Nächster Durchgang mit drei Sternen. Bei Bedarf kann man das bis zu 5 Sternen wiederholen. So bleibt am Ende die wirklich beste Auswahl.

Schritt 4: Fotos bearbeiten

Bearbeiten, also die RAW-Dateien entwickeln, tun wir nur die Fotos mit den höchsten Bewertungen.

Bei Bedarf: Ausmisten

Wird der Speicherplatz auf dem iPad knapp, so kann man bereits unterwegs alle Fotos mit 0 Sternen löschen. Denn diese wird man vermutlich nicht vermissen.

Bei Gelegenheit: Synchronisieren

Um die Fotos dann in die Lightroom-Cloud hochzuladen, benötigt man vor allem eine schnelle Internetverbindung. Denn da müssen ja durchaus einige Gigabyte transferiert werden. Übers Mobilnetz ist das also eher nicht empfehlenswert. Es über eine langsame Internetverbindung zu versuchen, schadet zwar nicht, dauert aber ewig. In der Praxis synchronisieren wir daher meist erst zuhause. Denn unterwegs hat man, insbesondere in abgelegenen Gebieten, kaum je eine so schnelle Internetverbindung.

Zuhause: Auf dem Mac oder PC weiterarbeiten

An sich kann man natürlich auch zuhause nur mit dem iPad arbeiten. Doch es gibt immer noch einige Funktionen, die nur in der Desktop-Version von Lightroom CC vorhanden sind. Dank des Synchronisierens kann man problemlos auf dem Mac oder PC dort weitermachen, wo man auf dem iPad aufgehört hat.

Am Schluss: Als JPG exportieren

Lightroom speichert ja "nur" die RAW-Originale und die Bearbeitungen. Für Fotobücher, Social Media Posts, Diashows - eigentlich für fast alles - benötigt man am Ende aber JPG-Dateien. Diese kann man entweder bei Bedarf einzeln erzeugen oder man exportiert von allen bearbeiteten Bildern einen Satz JPG-Dateien. Wir machen in der Regel letzteres. Das hat zudem den Vorteil, dass man damit nochmals eine Datensicherung der besten Fotos hat.