Kamera & Co.

Was muss man an technischer Ausrüstung auf eine Reise in die Arktis mitnehmen? Es kommt darauf an…

Grundsätzlich kann man auch in der Arktis mit einem Smartphone gute Landschaftsfotos schiessen. Doch wenn es um Tierfotos geht, kommt man nicht um eine Kamera mit Teleobjektiv herum. Und wer Polarlichter festhalten möchte, ist mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv und einem Stativ gut beraten. Nachdem es keine allgemein gültigen Regeln gibt, halten wir einfach mal fest, was sich bei uns bewährt hat, wenn‘s in die Arktis geht.

Kamera

Wir fotografieren mit der Sony A7R III. Diese bietet mit ihren 42 Megapixeln Auflösung auch die Möglichkeit, einen Ausschnitt zu vergrössern und damit ein Tier noch etwas näher heranzuholen. Zudem ist der Akku dieser Kamera wirklich stark, selbst bei Temperaturen von -20°C. Was aber nicht heisst, dass man den oder die Reserveakkus zuhause lassen sollte. Mindestens ein Reserveakku macht auf jeden Fall Sinn, für längere Trips ohne Lademöglichkeit auch mehrere. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein externes Ladegerät, damit man leere Akkus nachladen kann, während man mit einem vollen Akku weiterfotografiert.

Da es in der Arktis in der Regel keine Möglichkeit gibt, irgendwelche Ausrüstung dazuzukaufen, sollte auf jeden Fall eine Reservekamera dabei sein. Ob dies eine kleinere Kamera ist oder eine zweite grosse, hängt vom persönlichen Budget ab. Leichter reist man überraschenderweise auf jeden Fall, wenn man eine zweite grosse Kamera dabei hat. Denn diese benötigt keine zusätzlichen Akkus, keine Ladegeräte, keine Objektive und keine andere Tasche.

Objektive

Es gibt Universalobjektive, die einen Bereich von ca. 20 bis 240mm abdecken. Oft überzeugen diese aber von der Qualität her nicht. Denn währenddem bei den Kameras die Gehäuse durchaus immer kompakter werden, gilt bei den Objektiven nach wie vor: Gute Qualität bedeutet viel Glas und damit viel Gewicht.

Mindestens ein 24-70mm und dazu ein 70-200mm oder 100-400mm sollten es für Naturaufnahmen auf jeden Fall sein. Im Normalfall reicht eine Blende f4 gut aus, womit die Objektive etwas kompakter ausfallen. Wer aber maximale Lichtstärke möchte oder benötigt, der ist natürlich mit einer Blende f2.8 noch besser beraten. Wobei sich der Sprung von f4 auf f2.8 durchaus in Gewicht und Preis mit einem Faktor 2 niederschlagen kann.

Eine gute Ergänzung im Weitwinkelbereich ist ein 16-35mm oder sogar ein 12-24mm. Damit gelingen wunderbar dramatische Landschafts- und Wolkenaufnahmen.

Filter

Hier gehen die Meinungen auseinander. Die einen sagen, dass man ohne Filter gar nicht fotografieren kann. Andere finden es schade um die optische Qualität eines guten Objektivs, wenn man nachher eine Glasscheibe davorschraubt. Wir gehören eher zur zweiten Gruppe, fotografieren also meist ohne Filter.

Speicherkarten 

Wir nutzen immer 128 GB Karten mit der Geschwindigkeit UHS-I (also >95 MB/s). Das reicht problemlos für Serienaufnahmen oder 4K-Videos aus. Die schnelleren UHS-II Karten kosten massiv mehr, bringen aber in der Realität kaum einen Geschwindigkeitsvorteil. Ob man mehr als 128 GB Speicherkapazität benötigt, ist individuell unterschiedlich. Wir haben mit dieser Kapazität gute Erfahrungen gemacht, da darauf mehrere Tausend Fotos im RAW-Format gespeichert werden können. Trotzdem ist es aus Datensicherungsgründen eventuell keine schlechte Idee, nach x Tausend Fotos mal eine andere Karte einzulegen.

 Wir nutzen übrigens Vollformat SD-Karten. Das Risiko, die kleinen Micro-SD-Karten beim Hantieren - möglicherweise mit Handschuhen - zu verlieren, ist einfach zu gross. Und auch die normalen SD-Karten sind ja recht handlich.

Stativ

Tagsüber benötigt man mit Brennweiten bis 400mm an sich kaum ein Stativ, es sei denn, man möchte irgendwelche Bewegungsunschärfen durch Langzeitbelichtungen erzeugen. Bei schwächerem Licht oder extremen Brennweiten empfiehlt sich aber auf jeden Fall ein Stativ. Und weil man ausser vielleicht im Hochsommer bei Mitternachtssonne, nie wissen kann, ob man allenfalls Polarlichter sieht, gehört ein Stativ unbedingt dazu.

Wir nutzen ein Novoflex Stativ. Das bietet eine optimale Standfestigkeit, auch bei schwereren Objektiven. Mit maximal 1.5kg ist es aber immer noch einigermassen erträglich vom Gewicht her. Hinzu kommt, dass es sehr modular aufgebaut ist. Die Beine können als Einbeinstativ genutzt werden. Und es gäbe sogar Walking Stöcke, die man auch als Stativbeine nutzen könnte. Wenn man denn während des Fotografierens keine Stöcke benötigt…

Taschen

Es gibt unzählige Taschen und Rucksäcke und damit eigentlich kein Richtig oder Falsch. Möglichst flexibel einteilbar, gut gepolstert und einigermassen wasserfest sollte die Tasche sein. Und nicht grösser, als die Fluggesellschaften als Handgepäck erlauben.

Uns gefallen die Taschen und Rucksäcke von PeakDesign sehr gut. Denn die Story dahinter könnte auch unsere eigene sein: Die Erfinder waren so unzufrieden mit existierenden Taschen und Rucksäcken, dass sie es sich zum Ziel gesetzt haben, die optimale Tasche zu entwickeln. Was aus unserer Sicht recht gut gelungen ist.

Mittlerweile haben wir vom Messenger Bag über den Rucksack bis zum Sling Bag sämtliche Varianten, teilweise auch in mehreren Grössen. Was am besten geeignet ist, entscheiden wir aufgrund der Destination, der mitgeführten Objektive, der Handgepäckbestimmungen der Airlines und der geplanten Aktivitäten. So ist für längere Wanderungen ein Rucksack sicherlich angenehmer als eine Umhängetasche. Letztere ist aber z.B. auf einer Expeditionskreuzfahrt durchaus ausreichend, da man dort ja nie lange vom Schiff weg ist.

GPS

Wenn die eigene Kamera kein GPS hat und damit die Fotos nicht automatisch mit den Koordinaten versehen werden, gibt es verschiedene Optionen, dies zu lösen. So richtig optimal ist keine, denn alle erfordern zusätzliche Arbeitsschritte. Welche man wählt, wenn man die Koordinaten überhaupt speichern möchte, hängt davon ab, was man sonst noch mit GPS machen möchte.

Manche Kameras bieten eine Smartphone-App, über die man die Koordinaten direkt via Bluetooth in die EXIF-Daten der Fotos speichern kann. Das bedeutet, dass man das Smartphone dabei haben, die App laufen und die Verbindung klappen muss. Dann ist es aber eine komfortable Option.

Alternativ kann man einen beliebigen GPS-Tracker nutzen, sei es in einer Smartwatch (z.B. Garmin) oder als Stand-alone Gerät (z.B. Bad Elf). Per App oder PC-Software werden dann die Tracks exportiert und über eine separate Software in die Metadaten der Fotos geschrieben.

Letztlich gibt es auch Satelliten Tracker, die zusätzlich zum Aufzeichnen der Position auch regelmässig die Position übermitteln. So können die Zuhausegebliebenen die eigene Reiseroute quasi in Echtzeit mitverfolgen. Hier kommt z.B. der Yellowbrick 3 in Frage. Wichtig ist, dass die Datenübermittlung per Iridium erfolgt, da nur dieses Netzwerk auch in den Polargebieten funktioniert. Für die Datenübermittlung entstehen laufende Kosten. Netter Nebeneffekt: Über ein solches Gerät ist man im Notfall auch erreichbar, resp. kann selber Nachrichten versenden.

Kälteschutz

Reist man im Sommer in die Arktis, so darf man (leicht) positive Temperaturen erwarten. Diese sind für die Kameras unkritisch. Anders sieht es im Winter aus, wo Temperaturen von -20°C keine Seltenheit sind. Selbst wenn Kamera und Akku das aushalten: Würde man die so kalte Kamera in einen beheizten Raum mitnehmen, so würde sie sofort innen und aussen beschlagen. Schon alleine diese Feuchtigkeit wäre schädlich für die Elektronik. Geht man mit der beschlagenen Kamera wieder nach draussen, so kann die Feuchtigkeit gefrieren und die elektronischen Bauteile sprengen. Dann war‘s das mit der Kamera. Daher sollte man unbedingt luftdichte Beutel dabei haben, in die man die Kamera jeweils noch draussen an der Kälte einpacken kann. So verpackt kann die Kamera über die nächste Stunde ohne Feuchtigkeit akklimatisieren und dann problemlos aus dem Beutel entnommen werden. Will man den Akku schon laden und die Fotos schon von der Speicherkarte ziehen, dann sollten diese beiden Komponenten noch draussen entnommen werden.

An sich tut hier jeder genug grosse, luftdichte Plastiksack gute Dienste. Komfortabler sind aber die Beutel von Sea to Summit, die es in verschiedenen Grössen gibt.

Was für Kameras gilt, gilt übrigens auch für Objektive und andere nicht wasserdichte elektronische Geräte.

Aus der obigen Überlegung macht es Sinn, eine Reservekamera einzupacken, die man nicht mit ins Feld nimmt. Denn aufgrund der notwendigen Aufwärmzeit der kalten Kameras kann man während dieser Zeit sonst keine Fotos machen, wenn z.B. ein Tier vor dem Fenster durchläuft oder man im Innern des Gebäudes etwas festhalten möchte.

Weiteres Zubehör

Weiteres Zubehör, das wir meist dabei haben:

  • Anker und Tragriemen von PeakDesign

  • Schnellverschlüsse fürs Stativ von PeakDesign

  • Schnellverschlussklemmen für den Rucksackträger, ebenfalls von PeakDesign

  • Blasebalg, sollte sich mal ein Staubkorn auf den Bildsensor verirren

  • Notebook oder Tablet für die Datensicherung und Bildbearbeitung

  • Ausreichend viele Ladegeräte und -kabel

  • Länderspezifische Zwischenstecker