Ellesmere Island 2015

Expedition Ellesmere Island - soweit nach Norden, wie es die Eislage zulässt. Das klingt ganz nach einer Reise für uns. So entschieden wir uns, diese Reise mit der MS Hanseatic zu buchen. Nicht nur für uns war dies Neuland, sondern auch für die „Hanse“. Denn Ellesmere Island liegt nördlich der Nordwestpassage in Kanada. Die Anziehungskraft der Nordwestpassage und die Eissituation haben dazu geführt, dass dieses Fjordsystem kaum je touristisch befahren wurde. Bis jetzt.  

Kangerlussuaq

66°58’N | 51°58’W ● Grönland

Bereits die Anreise zu unserem Einschiffungsort war ungewöhnlich. Denn wann fliegt man schon mal nach Grönland? Auf jeden Fall reisten wir am Vorabend von Zürich nach Hamburg, von wo aus am nächsten Morgen unser früher Sonderflug mit Air Greenland nach Kangerlussuaq startete. Air Greenland fliegt mit ihrer einzigen Langstreckenmaschine normalerweise die Strecke Kopenhagen-Kangerlussuaq. Doch für rund 170 Passagiere, einige Crewmitglieder und vor allem viele Frischwaren lohnte es sich offenbar, das ganze Flugzeug zu chartern. 

Nach fünf Stunden Flug landeten wir dank vier Stunden Zeitverschiebung bereits kurz nach 08:00 auf dem ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt. Weil die Hanseatic noch nicht bereit war für uns, stand zuerst eine Landschaftsfahrt auf dem Programm. Mit einem alten Bus fuhren wir auf einen nahegelegenen Aussichtspunkt. Die Landschaft rund um Kangerlussuaq ist mässig attraktiv. Aber man konnte immerhin das grönländische Eisschild in der Ferne sehen. Auf der Rückfahrt in Richtung Pier sahen wir in einiger Entfernung Moschusochsen. Und schliesslich lernten wir bei einem kurzen Stopp einige Grönland-Hunde kennen. Diese sehen aus wie Löwen und sind wohl irgendwo zwischen Wolf und Husky anzusiedeln.

Schliesslich konnten wir mit den Tenderbooten durchs flache Wasser zur Hanseatic fahren, die im Fjord auf Reede lag. Das Gepäck und all die Frischwaren mussten mit einer „Barge“ separat transportiert werden. Schon das Einschiffen stimmte uns also auf die bevorstehende Expedition ein.

Schon bald legte die Hanseatic ab in Richtung Baffin Bay. Die Ausfahrt durch den rund 180km langen Søndre Strømfjord dauerte den gesamten Nachmittag. Die Aussicht auf die steilen, teilweise mehrere Milliarden Jahre alten Felswände war beeindruckend.  

Clyde River

70°28’N | 68°35’W ● Kanada

Nach einem regnerischen und stürmischen Seetag auf der Baffin Bay erreichten wir Clyde River. In diesem kleinen Ort an der Ostküste von Baffin Island wickelten wir offiziell die Immigration nach Kanada ab. Nachdem hier seit drei Jahren kein Passagierschiff mehr angelegt hatte, freuten sich die Locals natürlich über unseren Besuch. Denn Touristen bringen Geld in die Stadtkasse. Bei nur 1000 Einwohnern, aber einer durchaus guten Infrastruktur mit Supermarkt, Krankenhaus, Feuerwehr und sogar einer Eishockey-Halle, ist dies sicherlich willkommen. Bei einer Folklore-Vorführung lernten wir einige Inuit-Bräuche kennen. Es war spannend, wie sehr sich die Bräuche der ost-kanadischen und der russischen Inuit gleichen.

Dass wir zwar weit weg von der kanadischen Hauptstadt, aber doch noch voll im Einflussgebiet der Bürokratie waren, zeigte sich an den Vorschriften, die nun eingehalten werden mussten. So stand ab heute auf der Speisekarte, dass nicht durchgegarte tierische Produkte als nicht unbedenklich eingestuft werden müssten. Ebenfalls mussten die Salz- und Pfeffermühlen abgepackten Papiertütchen weichen. Und von der Schiffsleitung wird für den gesamten Aufenthalt in Kanada bei jeder Anlandung ein Sicherheitsdispositiv gefordert, wie sie die Hanseatic zu schützen gedenkt. Da spielt es keine Rolle, ob das Schiff in Quebec oder im Niemandsland der kanadischen Arktis liegt. 

Den Nachmittag verbrachten wir mit einer schönen Zodiac-Ausfahrt im nahegelegenen Clyde Inlet. So ging unser erster Tag in der kanadischen Arktis mit vielen schönen Eindrücken zu Ende.

Sam Ford Fjord

70°36’N | 71°29’W ● Kanada

Der heutige Tag startete sehr früh. Denn bereits um 03:00 rumpelte es ordentlich, als die Hanseatic in ein Packeisfeld fuhr. Das störte uns aber nicht wirklich und so schliefen wir weiter, bis um 05:00 die leise Durchsage von der Brücke kam, dass nun draussen langsam die Sonne aufgehe. Da die Temperatur bereits unter dem Gefrierpunkt lag, hatte sich über Nacht eine dünne Eisschicht auf dem Wasser gebildet. Man konnte sogar schon erste “Pancakes” sehen - und dies bei einem traumhaften Sonnenaufgang. Einfach toll!

Kurze Zeit später sichteten unsere Lektoren eine Eisbärenfamilie: eine Mutter mit zwei Jungen machten sich in einiger Distanz gerade über eine Robbe her. Von blossem Auge konnte man die Tiere zwar sehen, aber nicht viel erkennen. Doch mit dem Fernglas konnten wir diese Mahlzeit gut mitverfolgen…

Am Nachmittag konnten wir dann bei einer Gletscherzunge an Land gehen und über einige Felsblöcke auf die Endmoräne klettern. Zuletzt gingen wir sogar einige Meter auf dem blanken Gletschereis, was ohne Spikes oder Steigeisen vermutlich nicht die vernünftigste Idee war. Aber es kamen alle wohlbehalten zurück.

Wir waren rund 230 Seemeilen in den Sam Ford Fjord reingefahren. Und dementsprechend dauerte auch die Ausfahrt wieder bis in die Nacht.

Pond Inlet

72°48’N | 77°18’W ● Kanada

Pond Inlet liegt ganz im Norden von Baffin Island und hat rund 1500 Einwohner. Wie in Clyde River ist auch hier die Infrastruktur erstaunlich gut für einen so kleinen Ort. Und für diejenigen, die hier mal Urlaub machen möchten, gibt es sogar ein Hotel und eine Indoor-Minigolfanlage. Bei uns stand allerdings nicht Minigolf auf dem Programm, sondern eine erneute Folklore-Darbietung. Diese war wiederum interessant und wurde von der lokalen Folkloregruppe mit viel Begeisterung vorgeführt.

Pond Inlet war unser letzter Stopp in der “Zivilisation”. Bei der Durchfahrt durch den Eclipse Sound konnten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang bestaunen.

Jones Sound

75°31’N | 79°59’W ● Kanada

Um von Pond Inlet in den Jones Sound zu gelangen, muss man einen kurzen Abstecher in die Baffin Bay machen. Diese wurde ihrem Ruf als Wetterküche gerecht und empfing uns mit Windstärke 7 und ordentlichem Seegang. Die Hanseatic stampfte ordentlich und musste etwas Fahrt zurücknehmen, also langsamer fahren. Entsprechend froh waren wir, als wir dann den geschützten Jones Sound erreichten. Schlagartig war die See ruhig.

Bei strahlendem Sonnenschein konnten wir eine Zodiac-Rundfahrt in einem Eisfeld unternehmen. So kurvten wir zwischen grösseren und kleineren Schollen hindurch.

Norwegian Bay

76°43’N | 90°37’W ● Kanada

Heute war der alles entscheidende Tag dieser Reise. Denn um in das Fjordsystem von Ellesmere Island einzufahren, muss man entweder das Hell Gate oder die Cardigan Strait passieren. Beides sind Meerengen, die oft von Eisfeldern verstopft sind. Die Hanseatic hat mit Eis zwar kein Problem, kann aber kein Eis brechen. Wenn die Eisbedeckung zu gross ist, gibt es also kein Durchkommen.

Eigentlich wollte Kapitän Natke das wohl treffend benannte Hell Gate passieren. Doch dieses war nicht passierbar, weil sich über Nacht ein Eisfeld direkt dorthin verschoben hat. Glücklicherweise war dafür die Cardigan Strait frei, so dass unserer Expedition nach Ellesmere Island nichts im Wege stand. Es würde aber spannend bleiben, da in den Fjorden einige riesige Eisfelder lagen und wir ja auch wieder durch eine der beiden Meerengen aus dem Fjordsystem rausfahren mussten. Da war es beruhigend zu wissen, dass sich gleichzeitig auch ein kanadischer Eisbrecher in der Nähe befand, der uns wohl im Fall der Fälle helfen könnte.

Eureka

79°59’N | 85°54’W ● Kanada

In Eureka steht die nördlichste zivile Wetterstation der Welt. Den grössten Teil des Jahres ist sie nur auf dem Luftweg erreichbar. Nur im Sommer kann im Idealfall ein Versorgungsschiff schwere Dinge, wie z.B. Baumaterial, hierher bringen. Und dieses einzige Versorgungsschiff war genau zeitgleich mit uns dort. Daher war die Stationsbesatzung mit dem Löschen der Ladung beschäftigt und wir konnten die Wetterstation nicht besichtigen. Wir konnten aber neben der Station mit den Zodiacs an Land fahren und eine kleine Wanderung unternehmen. Dabei haben wir einen schönen weissen Schneehasen gesehen. Denn hier ist der Sommer so kurz, dass die Hasen das ganze Jahr ihr weisses Fell behalten.

Zurzeit hätte es die Eislage zugelassen, noch deutlich weiter nach Norden zu fahren. Doch mitten im Hauptfjord lag ein 18km langes und 9km breites Packeisfeld aus altem Eis. Auch wenn der Weg nach Norden am Eisfeld vorbei noch möglich gewesen wäre, durften wir dies natürlich nicht riskieren. Denn hätte sich das Eisfeld gedreht und den Fjord dicht gemacht, so wären wir quasi in der Falle gesessen. Und bei so dichtem Eis hätte uns auch der kanadische Eisbrecher nicht helfen können. Daher kam auch von der kanadischen Küstenwache ein klares „Nein“ zu einer Fahrt weiter nach Norden. Daher endete unsere Reise nach Norden bei 80°5‘N, also rund 1000km vom Nordpol entfernt. 

Axel Heiberg Island

79°31’N | 85°11’W ● Kanada

Axel Heiberg Island begrenzt die Fjorde von Ellesmere Island im Westen. Bereits gestern Abend kamen wir im Mocca Fjord an, wo wir die Nacht über ankerten. Um 06:00 fuhren wir bereits mit den Zodiacs an Land. Wir unternahmen eine schöne Wanderung, die aber mit eisigem Wind und wiederholten Schneeschauern recht kühl war. Jedenfalls waren wir danach so richtig hungrig auf ein leckeres Frühstück an Bord. 

Vor dem Mittag besuchten wir einen interessanten Vortrag unseres Ice Masters. Bei Fahrten ins Eis fährt meist ein lokaler Ice Master mit, der den Kapitän berät. Auch stellt der Ice Master über seine Verbindungen zur Coast Guard sicher, dass immer die aktuellsten Eiskarten vorliegen. Das ist in einem Gebiet, wo man nur sehr begrenzten Internetzugang hat, gar nicht so einfach. Es war auf jeden Fall spannend, was der Ice Master über seine mehr als 40 Jahre als Eisbrecher-Kapitän erzählte.

Auf der Hanseatic ist es Tradition, jeweils an einem besonders schönen Ort eine Pølser Party an Deck zu feiern. Da war die arktische Fjordlandschaft natürlich genau der richtige Ort. Doch die Party endete rasch, als ein Passagier eine Eisbärenfamilie sichtete. Es war eine Mutter mit zwei Jungen. Die kleine Familie posierte auf einer grossen Eisscholle und war durchaus neugierig. Aus nächster Nähe konnten wir die drei mehr als eine Stunde lang beobachten. Mehr als 300 Fotos später konnten wir uns der Aussage einer mitreisenden Passagierin nur anschliessen: „Macht’s gut und überlebt lange!“

Bei mittelmässigem Wetter machten wir dann nochmals eine Anlandung und eine kleine Wanderung. Das war ein schöner Abschluss eines wunderbaren Expeditionstages auf Axel Heiberg Island.

Hell Gate

76°17’N | 88°33’W ● Kanada

Auf dem Weg nach Norden war das Hell Gate nicht passierbar, dafür aber die Cardigan Strait. Nun war es genau umgekehrt. So kamen wir doch noch zu einer Passage durch das Höllentor. Abgesehen von starken Winden war die Durchfahrt aber nicht besonders höllisch. Vielmehr kamen wir so gut vorwärts, dass wir im Jones Sound sogar noch Zeit für eine zusätzliche Anlandung im Baade Fjord hatten. Dort gibt es ein rund 1000m hohes Kap, das auf keiner der Seekarten einen Namen trug. Unsere Crew hat es daher kurzerhand als „Kap Thilo“ zu Ehren von Kapitän Thilo Natke getauft. 

Auf unserer Wanderung sahen wir Schneehasen und diverse Fossilien. Die versteinerten Schnecken waren besonders faszinierend, waren diese doch einige hundert Millionen Jahre alt. Sie stammten aus einer Zeit als Ellesmere Island noch beim Äquator lag. 

Beim Recap am Abend erfuhren wir, dass wir gut daran getan haben, nicht weiter nach Norden zu fahren. Denn mittlerweile hatte sich das Eisfeld so weit nach Süden verschoben, dass es kein Durchkommen mehr gegeben hätte. Selbst Eureka war bereits nicht mehr erreichbar und das Versorgungsschiff musste den Liegeplatz sogar vorzeitig verlassen.

Grisefjord

75°51’N | 80°51’W ● Kanada

Der Plan wäre gewesen, heute unseren Ice Master im 150-Seelen-Dorf Grisefjord abzusetzen. Dort hätte er vier Tage in einem Motel auf seinen Flug nach Hause warten müssen. Da das Motel weder eine Küche noch ein Restaurant hatte, wäre er von der Hanseatic mit einem grossen Picknick-Korb ausgerüstet worden. Hätte, würde, wäre... Denn vor Grisefjord lag so viel Eis, dass an eine Anlandung nicht zu denken war. So blieb unserem Ice Master der Aufenthalt in Grisefjord erspart und er würde dafür noch etwas länger an Bord bleiben.

Auch der für den Nachmittag geplante Stopp beim Jakeman Glacier fiel den Eisverhältnissen zum Opfer. Daher fuhren wir früher als geplant in die Baffin Bay in Richtung Grönland. Und wie so oft war die See auch dieses Mal wieder recht bewegt. Aber wir waren ja mittlerweile schon gut eingeschaukelt. 

Siorapaluk & Qaanaaq

77°42’N | 70°50’W ● Grönland

In der Arktis ist fast jede Infrastruktur ein nördlicher Superlativ. So auch Siorapaluk, das als nördlichste zivile Siedlung gilt. Es leben rund 50 Menschen und deutlich mehr Hunde hier. An einem windstillen Tag wie heute ist der Ort eine ordentliche geruchsmässige Herausforderung. Eine Mischung aus nassem Hund, Hunde-Hinterlassenschaften und verrottenden Jagdabfällen ist durchaus gewöhnungsbedürftig. So waren wir nicht unglücklich, schon bald in Richtung Qaanaaq weiterzufahren...

Qaanaaq ist mit 650 Einwohnern geradezu grossstädtisch im Vergleich zu Siorapaluk. Nach zahlreichen Tagen ohne Internetverbindung war es richtig ungewohnt, plötzlich wieder ein Handynetz zu haben. Qaanaaq ist eine künstliche Siedlung. Denn in den 1950er Jahren wurden die Menschen vom weiter südlich gelegenen Thule hierher umgesiedelt, weil dort eine US Airforce Base gebaut wurde. Qaanaaq hat eine gute Infrastruktur mit Schule, Krankenhaus, Kirche, Altersheim und sogar zwei Supermärkten. Eine Besonderheit gab es in der Kirche zu sehen: Wie in vielen Kirchen ist auch dort ein Bild von Jesus in den typischen Jesus-Sandalen zu finden. Nach einigen Jahren hatten die Einwohner allerdings Erbarmen, da Jesus doch sicherlich an die Zehen frieren würde. Daher malten sie ihm blaue Socken in die Sandalen...

Old Thule, Parker Snow Bay & Kap York

76°33’N | 69°2’W ● Grönland

Heute ging’s wieder mal früh los. Kurz nach Sonnenaufgang gingen wir in der Nähe der Thule Airforce Base an Land. Nach einer kalten Nacht waren die grösstenteils verblühten Blümchen mit Rauhreif überzogen. Da schlug natürlich das Fotografen-Herz höher. Wir wanderten über die gefrorene Tundra und genossen das warme Morgenlicht.  

Bereits vor dem Mittag fuhren wir weiter zur Parker Snow Bay. Dort unternahmen wir eine mehrstündige Wanderung zu einem Gletscher und wieder zurück. Der Weg führte über das Schwemmland des Gletscherflusses. Wir hatten wohl Glück, dass es schon wieder kälter wurde und der Fluss daher nicht mehr so viel Schmelzwasser führte. Sonst wäre das wohl eine ziemlich nasse Angelegenheit geworden. Es war eine schöne Wanderung und wir konnten sogar etwas auf den Gletscher raufklettern, was aber eine ordentliche Rutschpartie war.

Später fuhren wir weiter in Richtung Süden. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichten wir Kap York. Das ist ein regelrechter Eisberg-Friedhof. Die Eisberge schwimmen von der Disko Bucht zunächst nach Norden. Dann stranden sie im untiefen Wasser vor Kap York. Erst wenn sie etwas abgeschmolzen sind, schwimmen sie wieder auf und driften dann langsam nach Süden. Hunderte von Eisberge im Licht der untergehenden Sonne sehen wirklich spektakulär aus. Tage wie dieser machen eine Arktisreise zu einem wunderbaren Erlebnis.

Uummannaq

70°40’N | 52°6’W ● Grönland

Nach einem ruhigen, sonnigen Seetag waren wir bereits im Bett als uns die folgende Durchsage weckte: Polarlichter! Wir hatten uns so gewünscht, einmal Polarlichter zu sehen. Und nun hatten wir dieses Glück! Tatsächlich flackerten die Polarlichter wunderschön über den Nachthimmel.  

Nach einer polarlichter-bedingt etwas kürzeren Nacht kamen wir am nächsten Morgen in Uummannaq an. Mit seinen rund 2800 Einwohnern ist Uummannaq einer der grösseren Orte Grönlands. Die zahlreichen bunten Häuser, die direkt in den Fels gebaut sind, machen Uummannaq zu einem sehr malerischen Ort. Im Hafen gibt’s eine kleine Pier, so dass wir wieder mal mit den Tenderbooten an Land fahren konnten. 

Interessanterweise werden in Grönland die meisten Häuser aus Holz gebaut, obwohl dieses importiert werden muss. Steine würde es genug geben, doch die werden nicht zum Bauen genutzt. Daher ist die Stein-Kirche von Uummannaq ein spezielles Bauwerk. Wir hatten jedoch andere Pläne als einen Kirchenbesuch. Denn wir wanderten eine gute Stunde zum Sommerhaus des Weihnachtsmanns. Dieses war Drehort einer dänischen Weihnachts-TV-Serie. Wir trafen dort den MS Hanseatic-Weihnachtsmann mit Weihnachtsgebäck und Glühwein an. Das war natürlich sehr willkommen als Zwischenverpflegung auf unserer Wanderung. 

Zurück in Uummannaq hörten wir es immer wieder krachen. Denn in der Bucht vor dem Ort lagen zahlreiche Eisberge, von denen immer wieder Stücke abbrachen. Und das krachte dann jeweils ganz ordentlich.  

Währenddem die Hanseatic sich auf den Weg in Richtung Disko Bucht machte, hatten wir die Möglichkeit, die Schiffsküche zu besichtigen. Das war wirklich spannend. 

Disko Bucht

69°16’N | 51°17’W ● Grönland

Das heutige Ziel war Ilulissat an der Disko Bucht. Dort mündet der Eisfjord ins Meer, der von einem der produktivsten Gletscher, dem Jakobshavn Gletscher, gespiesen wird. Wegen einer Untiefe an der Mündung des Fjords stauen sich dort die Eisberge und werden erst ins Meer gedrückt, wenn der Druck der nachfolgenden Eismassen genug gross wird. Daher kann die Disko Bucht manchmal fast eisfrei sein und dann wieder komplett dicht mit Eis. Bei uns war letzteres der Fall. Es gab so viel Eis, dass Kapitän Natke nach mehreren Stunden aufgeben musste. Wir würden also nicht an Land gehen können. Für uns war das kein Problem, war die Fahrt durch dichtes Eis doch mindestens so schön wie ein Landgang. Etwas ungünstiger war das für unseren Ice Master, der eigentlich schon in Grisefjord von Bord gehen sollte. Nun drohte auch sein nächster geplanter Ausstieg zu scheitern. Doch einem unverfrorenen lokalen Fischer war es dann zu verdanken, dass der Ice Master schliesslich doch aussteigen konnte. 

Wir konnten am Nachmittag die 15. und letzte Zodiac-Fahrt dieser Reise unternehmen. Mehr als eine Stunde fuhren wir zwischen Eisbergen hindurch. Sonnenschein und Windstille sei Dank spiegelten sich die Eisberge wunderschön im Wasser.

Nach dem traditionellen Farewell-Abend meldete die Brücke wiederum, dass Nordlichter zu sehen seien. Und tatsächlich leuchteten diese heute Abend noch viel intensiver über den klaren Himmel als beim letzten Mal. Einfach traumhaft!

Sisimiut

66°57’N | 53°41’W ● Grönland

Das erste Mal überhaupt machten wir auf dieser Reise an einer Pier fest. In Sisimiut musste die Hanseatic Treibstoff bunkern. Und wir hatten Zeit für einen Bummel durch den Ort. Sisimiut ist ein kleines, malerisches Städtchen. Nahe beim Hafen entdeckten wir einen kleinen Woll-Laden, der Moschusochsen-Wolle, sogenanntes Qiviut, verkaufte. Diese Wolle ist zwar sehr teuer, aber unglaublich warm und leicht. Wir kauften ausgiebig ein.

Nach diesem sonnigen Tag in Sisimiut mussten wir auch noch unsere Koffer packen. Das gehört halt auch dazu. Und zumindest hatten wir die Gewissheit, dass dies nicht die letzte Reise in diese Region sein würde. Denn wir hatten schon wieder einen Leckerbissen entdeckt und gebucht...

Kurz vor der Ausfahrt aus dem Hafen von Sisimiut zeigte uns ein Einheimischer zahlreiche Varianten der Eskimorolle mit seinem Kajak. Danach ging’s los in Richtung Kangerlussuaq.

Kangerlussuaq

66°58’N | 51°58’W ● Grönland

Wir hätten bereits um 07:00 in Kangerlussuaq von Bord gehen sollen. Doch die Air Greenland-Maschine, welche die neuen Passagiere einfliegen und uns nach Hamburg bringen sollte, stand defekt in Kopenhagen. Daher verschob sich unser Abflug mehrmals. Zumindest konnten wir an Bord warten und nochmals ein unerwartetes, letztes Mittagessen Bord geniessen. Mit rund 10 Stunden Verspätung flogen wir dann mit der mittlerweile reparierten Maschine ab. Doch wegen des Nachtflugverbots in Hamburg konnten wir nicht dorthin fliegen. Vielmehr flogen wir nach Kopenhagen, wo wir mitten in der Nacht auf einen kleinen Transfer-Flieger nach Hamburg umsteigen mussten. Statt wie geplant im Flughafenhotel in Hamburg verbrachten wir die Nacht in Flugzeugen und auf dem Flughafen Kopenhagen. Na ja, Hauptsache wir sind gut und sicher nach Hause gekommen.

Wir blicken auf eine wunderbare Reise in eine Region zurück, die kaum je von einem Passagierschiff angelaufen wurde. Wir schätzen uns glücklich, dass wir so viele schöne Eindrücke sammeln konnten. 

Und zum Schluss... 

 ...eine Inuit-Weisheit

Die Inuit leben seit Jahrtausenden in dieser kargen und unwirtlichen Gegend. Eine ihrer Weisheiten lautet wie folgt:

Es trafen sich zwei Inuit-Jäger. Der eine hatte einen Polarwolf erlegt und sich das Fell um die Schultern gelegt. Der andere hatte an Caribou geschossen und sich dessen Pelz ebenfalls übergeworfen. Die beiden begannen zu streiten, welches Tier nun das wärmere Fell habe. Der eine Jäger meinte, es sei der Polarwolf, weil dieser mehr Haare habe. Der andere bestand darauf, dass es das Caribou sei, da dieses mehr Haare habe. Also setzten sie sich hin und begannen die Haare zu zählen. Immer 10 Haare banden sie zu Büscheln zusammen. So zählten sie einen Tag und die ganze Nacht lang. Auch am nächsten Tag zählten sie weiter. Und nach drei Tagen waren beide tot – erfroren.

Und die Inuit-Moral von der Geschichte: Man solle sich im Leben nicht mit unwichtigen Dingen beschäftigen...

20150904 190500 DSC01326.jpg

Ellesmere Island

2015