Den Emergence Quest 2019

Im November warten die Eisbären der Hudson Bay sehnlichst auf das Zufrieren der Bay. Denn im Winter finden sie dort ihre Leibspeise, Robben. Doch nicht alle Bären verbringen den Winter auf dem Meereis. Muttertiere suchen sich in dieser Zeit eine geschützte Höhle an Land, wo sie im Dezember oder Januar ihre Jungen zur Welt bringen. Zu dieser Zeit herrschen Temperaturen von -40°C. Für die kleinen Bären wäre das viel zu kalt. Daher verbringt die junge Bärenfamilie die ersten Monate in der Schneehöhle. Erst wenn die Temperaturen gegen -20°C steigen, wagen sich die Bärenmütter aus ihren Höhlen, den sogenannten Dens. Es beginnt ein kräftezehrender Marsch in Richtung Hudson Bay. Denn für die Bärinnen liegt die letzte ordentliche Robbenmahlzeit fast 10 Monate zurück. Zu dieser Zeit unternahmen wir eine Reise an die wilde Kaska Coast an der Hudson Bay - in der Hoffnung, eine solche junge Bärenfamilie beim Verlassen ihrer Höhle beobachten zu können.

Reisevorbereitungen

Die klimatischen Bedingungen an der Hudson Bay kannten wir ja schon von unserem Aufenthalt im November. Doch November ist Herbst, März ist Winter. Wir mussten uns also darauf einstellen, dass wir es mit deutlich kälteren Temperaturen zu tun haben würden. Wir packten daher reichlich Hand- und Fusswärmer und diverse Kleiderschichten ein. Auch dieses Mal galt es, die Gepäcklimite von 20kg im Auge zu behalten. Denn in dieser abgelegenen Region bezahlt man nicht einfach für Übergepäck, nein, man lässt es zurück. Denn die kleinen Flugzeuge sind nicht auf grosse Zusatzlasten ausgelegt...

Winnipeg

49°53‘N | 97°12‘W ● Kanada

Währenddem es in der Schweiz schon recht frühlingshaft war, landeten wir in Toronto bei Schneefall und -4°C. Doch erst unser Weiterflug nach Winnipeg brachte uns dann wirklich in den Winter: -28°C! Da half selbst der strahlende Sonnenschein nicht mehr viel. Doch trotz des kalten Wetters genossen wir den Tag in der Hauptstadt Manitobas. Wir besuchten das architektonisch und inhaltlich sehr sehenswerte Museum for Human Rights und verpflegten uns im ehemaligen Güterbahnhof „The Forks“. 

Bevor wir die übrigen Teilnehmer dieser Reise zum Abendessen trafen, ging’s zur Kleideranprobe. Denn  bei den erwarteten bis -40°C kommt nur die beste Ausrüstung in Frage - und die wurde vom Veranstalter Churchill Wild leihweise zur Verfügung gestellt. So probierten wir in einem gut geheizten Raum im Hotel wattierte Skihosen und warme Daunenparkas... Selbst die Schuhe hätte man ausleihen können, doch da waren wir mit unseren -70°C-Sorel-Schuhen so gut ausgestattet, dass es dazu keinen Anlass gab.

Bereits beim gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant stellten wir beruhigt fest, dass die nächsten 10 Tage mit Jad, Sylvia, Sue, Coco, Annabelle, Liz und Peter sicherlich sehr unterhaltsam werden würden! Denn wir verstanden uns alle auf Anhieb sehr gut. Jad Davenport, National Geographic Fotograf und unser „Photo Leader“ steigerte mit einem kleinen Ausblick auf die kommenden Tage unsere Vorfreude noch mehr.

Kaska Coast

57°7‘N | 91°40‘W ● Nanuk Polar Bear Lodge | Kanada

Die Nanuk Polar Bear Lodge wird von Churchill Wild betrieben und ist normalerweise zwischen Juli und November geöffnet. Für die Den Emergence Quest wird sie aber auch im März für 10 Tage in Betrieb genommen. Das bedeutet mehr als eine Woche Vorbereitung, denn uns erwartete eine sehr gemütliche Lodge mit jeglichem Komfort. Dass man im kanadischen Winter hier draussen problemlos warm duschen und exzellent essen kann, ist definitiv nicht selbstverständlich.

Der Weg zur Lodge an der wilden Kaska Coast gestaltete sich aber recht aufwändig. Von Winnipeg flogen wir zunächst mit einer Propellermaschine von Calm Air in die 13´000-Einwohner-Stadt Thompson. Mit einer kleinen Cessna Caravan ging’s dann weiter nach Gillam und nach einem Tankstopp dort schliesslich zur Lodge direkt an der Küste der Hudson Bay. Bereits beim Anflug konnten wir sehen, wie abgelegen dieser Ort ist. Das Gebiet um die Lodge ist rund zehn Mal so gross wie der Yellowstone Nationalpark. Und für die nächsten 10 Tage würden gerade mal 19 Personen (Gäste und Mitarbeiter der Lodge) in diesem Gebiet sein. 

Bereits am ersten Nachmittag machten wir eine kurze Ausfahrt mit den Schneemobilen, resp. den dahinter angehängten Holzschlitten, den Komatiks. Diese wurden in ähnlicher Form schon von den Inuit genutzt. Der Vorteil ist, dass man darin etwas vom Wind geschützt ist. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Holzkonstruktionen rein gar keine Federung haben. Bereits geringe Unebenheiten im Schnee oder Eis schütteln einen daher kräftig durch. Spass hat’s trotzdem - oder gerade deshalb - gemacht. 

So wären wir eigentlich genug müde gewesen, um rasch einzuschlafen. Doch bevor wir daran auch nur denken konnten, klopfte es an unsere Tür: Northern Lights! Und zwar vom Feinsten! Was für ein erster Tag „in the middle of nowhere“!

Ptarmigans

Ptarmigans sind Schneehühner, die mit ihren komplett mit Federn bedeckten Füssen ziemlich cool aussehen. Wir freuten uns daher sehr, als wir bereits nach kurzer Fahrt mit den Komatiks zahlreiche dieser Tiere entdeckten. Bei Sonnenschein vergassen wir sogar fast, dass es gefühlt -32°C kalt war. Dies wurde uns dann aber rasch wieder bewusst, als wir eine kurze Pause machten und mit heisser Schokolade und sehr tiefgefrorenen Getreideriegeln verpflegt wurden. 

Wir konnten auch das erste Mal Erfahrungen sammeln, wie man ein Schneemobil-Komatik-Gespann wieder aus dem Tiefschnee ausgräbt. Dieses getting-stuck-getting-unstuck würde uns über die nächsten Tage noch oft begleiten und zu einem regelrechten Wettrennen werden...

Rechtzeitig zum Mittagessen waren wir zurück in der Lodge und genossen das leckere Essen und das warme Kaminfeuer. Obwohl wir erst gestern hier angekommen waren, fühlten wir uns schon richtig zuhause! 

Die Ausfahrt am Nachmittag war dann etwas weniger attraktiv. Denn wir machten wohl drei Anfängerfehler: Erstens wechselten wir über Mittag die (wohl leicht feuchten) Socken nicht, zweitens vertrauten wir auf die Zeitangaben auf unseren Hand- und Fusswärmern und drittens gingen wir davon aus, dass eine schicke, mitteleuropäische Skibrille für die klimatischen Gegebenheiten hier oben geeignet wäre. Mit kalten Händen und Füssen und mit einer zunächst beschlagenen, rasch aber auch gefrorenen Skibrille war diese Ausfahrt ziemlich mittelmässig... Aber wir haben unsere Lektion(en) gelernt und uns sogleich in der Lodge neue Skibrillen gekauft.

Camp Fire

Kurz nach Sonnenaufgang bildete sich um die Sonne ein sogenannter Sun Dog. Dieser entsteht, wenn das Gegenlicht durch feine Schneekristalle in die Spektralfarben zerlegt wird. Und Schneekristalle hatte es an diesem -20°C kalten und mit 50km/h stürmischen Morgen wohl genug in der Luft. Daher planten wir an diesem Vormittag nur eine kurze Ausfahrt. Unsere heisse Schokolade genossen wir dieses Mal bei einem wärmenden Lagerfeuer. So war die Kälte gut auszuhalten. Während der Pause entdeckten wir am anderen Ende einer grossen Lichtung plötzlich einen Elch. Offensichtlich hat er uns auch gesehen oder gerochen. Denn er blickte sicherlich 10 Minuten lang regungslos zu uns rüber. Dann suchte er das Weite und auch wir machten uns nach dieser schönen Begegnung auf den Rückweg. 

Kurz nach dem Mittagessen tauchten direkt vor der Lodge zwei Füchse auf! Gerne hätten wir diesen noch länger zugeschaut - aber offenbar hatten sie andere Pläne und verschwanden schon bald wieder. 

Entgegen der Wettervorhersage flaute der Wind am Nachmittag nicht ab, sondern nahm sogar noch zu. Trotzdem unternahmen wir nochmals eine Ausfahrt. Dank frischen Socken und frischen Hand- und Fusswärmern überstanden wir diese windige Ausfahrt problemlos. Sie war sogar sehr schön, so dass wir erst bei Einbruch der Dunkelheit zur Lodge zurückkehrten.

Wolves 

Wir staunten nicht schlecht, als wir direkt vor den Fenstern der Lodge fünf Wölfe sichteten. Diese kamen so nahe an die Lodge, dass unsere Teleobjektive zu stark waren. Was offensichtlich ein Luxusproblem ist, führte schliesslich zu wunderschönen Close-Up-Aufnahmen. Weil die Wölfe den ganzen Tag immer wieder rund um die Lodge auftauchten, verzichteten wir auf eine Ausfahrt und genossen einfach die wilde Natur um die Lodge.

Snowy Owls

Entgegen der Wettervorhersage war es heute milder und sonniger als an den vorhergehenden Tagen. Dieses gute Wetter nutzten wir für einen ausgiebigen Ausflug, von dem wir erst nach 15:00 zurückkehrten. Bereits näher bei der Lodge sichteten wir wieder „unsere“ Wölfe.

Die Landschaft an der Küste ist geprägt von Flüssen, Ebenen und kleinen Wäldern. Die Flüsse verlaufen mehr oder weniger in Richtung Meer, die Ebenen verlaufen parallel zur Küste. Und nachdem im Winter alles gefroren ist, kann man diese Pfade gut als Verkehrswege nutzen.

Einige Kilometer von der Lodge entfernt sichteten wir auf einem Baumwipfel eine Schneeeule. Diese Tiere sind auch hier oben selten und so schätzten wir uns sehr glücklich, zwei dieser Tiere sogar im Flug sehen und fotografieren zu können. Auf dem Rückweg begegneten wir einem Fuchs und einem Elch, wobei beide nicht wirklich interessiert waren…

Dort, wo im Sommer eine Art Wattlandschaft ist, war jetzt alles tiefgefroren. Und so konnten wir das ansonsten im Sumpf stehende Schiffswrack der Mooswah in einer malerischen Schnee- und Eislandschaft erkunden. Nach so vielen Eindrücken kamen wir hungrig in der Lodge an. Weil der Nachmittag ja schon praktisch vorbei war, beschlossen unsere Guides, eine Fahrt zum Sonnenuntergang auf dem Eis zu unternehmen. So fuhren wir geradewegs aufs Eis der Hudson Bay, direkt von Manitoba nach Nunavut. Das Farbenspiel, das sich uns beim Sonnenuntergang bot, war unbeschreiblich schön. Solche Farben sieht man wirklich nur in der Arktis! Bereits bei Dunkelheit fuhren wir zurück zur Lodge. Was für ein Tag!

Igloo

Bei rund -20°C und einsetzendem Schneefall machten wir auch heute eine kurze Ausfahrt mit den Schneemobilen und Komatiks. Doch auch den Tieren war es heute offensichtlich zu garstig. Denn der Vormittag blieb ohne Tiersichtungen. Da das Wetter eher noch schlechter wurde, begeisterten wir uns fürs alternative Nachmittagsprogramm: Iglu bauen. Mit vereinten Kräften und dem Know how unseres Guides Emri gelang uns in gut drei Stunden ein wirklich ansprechendes erstes Iglu.

Dass dieses dann am Abend sogar noch mit Polarlichtern illuminiert wurde, rundete auch diesen Tag wunderschön ab. Etwas weniger Glück hatten heute Churchill Wild Patron Mike Reimer und Albert „Butch“ Saunders. Sie machten sich mit zwei Schneemobilen auf, um Eisbärenspuren zu entdecken. Dabei blieben sie mehrfach stecken und brachen ins Eis ein. So wurde aus dieser Erkundungsfahrt ein kräftezehrender 14-Stunden-Tag. Doch am Ende sind alle wohlbehalten wieder in der Lodge eingetroffen.

More Snowy Owls

Die Flüsse in dieser Region haben klangvolle Namen, die sie von den Ureinwohnern, den Cree, erhalten haben. Bei gefühlten -38°C fuhren wir am Vormittag nach Osten zum Mistikokan River und weiter in Richtung Mistasini River. Am Nachmittag fuhren wir in die entgegengesetzte Richtung, zuerst dem Opayastin Creek entlang, dann Richtung Menahook River. Sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag entdeckten wir wiederum Schneeeulen. Von der übrigen Tierwelt sahen wir heute aber nur Spuren und andere „Hinterlassenschaften“.

Bei der Rückkehr wurden wir mit einem regelrechten Barbecue und Drinks aus Eisbechern in der Lodge empfangen. Was für eine nette Überraschung!

Sunrise with the Wolves

Unsere Wölfe waren wieder zurück. Bereits vor Sonnenaufgang konnten wir sie in einiger Distanz zur Lodge schlafen sehen. Es ist schon beeindruckend, wie unempfindlich diese Tiere gegenüber der Kälte sind. Denn der heutige Morgen war inkl. Windchill wieder mal -38°C kalt. Wir verbrachten mehr als eine Stunde draussen und beobachteten, wie die Wölfe langsam aktiv wurden. Sie näherten sich uns sogar auf etwa 50 Meter an! Das warme Morgenlicht schaffte eine wunderschöne Stimmung und machte das Fotografieren zu einem besonderen Leckerbissen. So richtig durchgefroren wartete dann ein ganz anderer Leckerbissen auf uns: das reichhaltige Frühstück in der Lodge. Den Rest des Vormittags verbrachten wir mit dem Sortieren und Bearbeiten unserer mittlerweile mehreren Tausend Fotos. Fachmännische Tipps von Jad waren da natürlich willkommen.

Am Nachmittag frischte der Wind auf etwa 60 km/h auf, doch die Temperaturen stiegen dafür etwas. Die Ausfahrt in einem regelrechten Schneesturm - aus aufgewirbeltem Schnee - war daher gut auszuhalten und wirklich faszinierend. Denn das Schneegestöber zauberte eine ganz spezielle Stimmung.

Bear Tracks

Vor lauter Wölfen, Schneeeulen, Füchsen und Elchen hatten wir fast vergessen, weshalb wir eigentlich hierhergekommen waren. Das wurde uns schlagartig wieder bewusst, als wir auf dem Weg zur York Factory auf Spuren einer Eisbärin und eines Jungtiers stiessen. Auch wenn die York Factory, also quasi die Wiege des modernen Kanada, sicher einen Besuch wert gewesen wäre, war allen klar: Bären haben Prio 1! Wir wussten zwar, dass die entdeckten Spuren bereits einige Tage alt waren. Doch es wurden auch weitere Spuren in der Umgebung gesichtet. Also hiess es warten und hoffen. Bei Sonnenschein und milden -6°C war das überhaupt kein Problem.

Beim Anbieter Churchill Wild ist klar: Man verfolgt keine Bären und man schreckt sie auch nicht auf. Man wartet und hofft, dass Bären vorbeikommen. Das reduziert zwar die Chance einer Bärensichtung, ist aber das einzig Richtige. Denn die Bärenmütter und Jungen haben sowieso schon einen sehr herausfordernden Marsch hinter sich und müssen vielen Gefahren trotzen. Solche Tiere zusätzlich zu stressen, wäre inakzeptabel.

Leider blieb es bei den Spuren. Doch nachdem wir schon den ganzen Tag unterwegs waren, hatte Jad noch eine gute Idee: Auf dem Rückweg fuhren wir nochmals aufs Meereis raus. Denn mittlerweile hatten sich dort zwei Wölfe niedergelassen. Diese zeichneten sich wie Scherenschnitte gegen den goldenen Himmel ab. Das war einfach traumhaft schön!

Direkt bei der Lodge machten wir nochmals einen Stopp mit den Komatiks, weil der Rest des Wolfsrudels ganz in der Nähe war. Plötzlich fing einer der Wölfe an zu heulen. Und nach und nach stimmten die anderen ein. Wölfe verändern die Tonhöhe ihres Geheuls immer wieder, so dass es wirklich wie ein Lied klang. Wir wagten kaum zu atmen und waren einfach nur fasziniert und berührt! So plötzlich wie der Gesang angefangen hatte, hörte er auch wieder auf. Doch einer der Wölfe stand auf und trottete genau auf unseren Komatik zu. Etwa 5 Meter von uns entfernt blieb er (oder eher sie) stehen und schaute uns direkt in die Augen. Solche Momente vergisst man nie mehr! Dann machte sie kehrt und zottelte davon.

no luck

Bereits vor Sonnenaufgang machten wir uns heute auf den Weg an dieselbe Stelle wie am Vortag. Denn es bestand immer noch die Chance, Bären dort zu sehen. So richteten wir uns erneut mit einem Lagerfeuer gemütlich ein und warteten. Doch nach dem Mittag brachten unsere Guides schlechte Nachrichten: Sie hatten ein sogenanntes Daybed, also einen Ruheplatz einer Eisbärin, entdeckt, das bereits wieder eine dünne Eisschicht aufwies. Das war ein deutliches Zeichen, dass es die Bärenfamilie bereits gestern aufs Eis der Hudson Bay geschafft hatte. Dies war für uns aber zugleich eine gute Nachricht: Denn bei weitem nicht jede Bärenfamilie schafft es sicher aufs Meereis. Zu wissen, dass es dieser gelungen ist, ist mehr wert als ein schönes Foto.

Auf dem Rückweg sichteten wir noch einige Elche. Diese sehen mit ihren langen Beinen und eigenartigen Köpfen immer irgendwie falsch zusammengebaut aus…

Snow Mobiles

Heute wäre die letzte Gelegenheit gewesen, Eisbären zu sehen. Doch es wurde bald klar, dass dies kaum geschehen würde. Irgendwie waren die Tiere heute sowieso nicht aktiv. Ausser einigen kleinen Vögeln in grosser Distanz sahen wir gar keine Tiere. Dafür lernten wir wieder einiges. Denn am Wegrand lag ein toter Lemming. Diese kleine arktische Maus ist sowas wie der Krill der hiesigen Nahrungskette. Denn quasi alle grösseren Tiere fressen Lemminge. Unser Fundstück ist aber offensichtlich einem Jäger - vielleicht einer Schneeeule - abhanden gekommen und lag nun tiefgekühlt neben unserem Track. Des weiteren haben wir die Hinterlassenschaften diverser hier lebender Tiere begutachtet. Elch-Dung sieht aus wie kleine Eier aus Sägemehl, denn Elche fressen im Winter ja nur Sprossen und Zweige. Beim Wolf sieht‘s aus wie bei einem Hund, was tiefgefroren aber auch kein Problem ist. Die Schneeeule würgt die nicht verdaubaren Lemming-Bestandteile wieder hoch, was dann ein recht unappetitliches Knäuel aus Pelz, Knochenstücken und Zähnen ergibt. Ja, man kann wirklich viel lernen hier :-)

Nach dem Mittag durften wir uns zum Schluss noch etwas selber am Steuer eines Schneemobils versuchen. Das macht viel Spass ist aber gar nicht so einfach! Als wir dann in der Lodge zurück waren, konnte man schon deutlich sehen, dass diese nun wieder in den Winterschlaf versetzt werden würde. Diverse Fenster waren schon wieder gesichert und vieles schon wieder verpackt. Denn wenn die Crew hier in 1-2 Tagen ebenfalls weggeht, werden die nächsten Gäste erst im Juli hierher kommen.

Ein letzter gemütlicher Abend rundete diesen wunderbaren Aufenthalt ab.

Farewell

Am letzten Vormittag tauchten nochmals die Wölfe direkt bei der Lodge auf. Es war wirklich so, als ob sie sich von uns verabschieden wollten. Das hat uns zugleich gefreut aber auch ziemlich wehmütig gestimmt. Doch der Entschluss war bereits gefasst, diesen Trip irgendwann nochmals zu machen. Dies erleichterte uns den Abschied von der wilden Kaska Coast etwas.

Winnipeg

49°53‘N | 97°12‘W ● Kanada

Wir flogen zuerst nach Gillam und stiegen dort auf eine Linienmaschine von Calm Air um. So kamen wir rechtzeitig und problemlos zurück in der Zivilisation an. Am Abend stand noch ein letztes Abendessen mit unseren Mitreisenden auf dem Programm. Man spürte deutlich, dass es allen leid tat, dass dieser „trip of a lifetime“ nun zu Ende ging.

Wir hatten noch einen Reservetag in Winnipeg eingeplant, da man bei Flügen in der Arktis ja nie so genau weiss, ob sie auch wirklich stattfinden. So hätten wir noch etwas Puffer gehabt, den wir nun aber nochmals für etwas Sightseeing und einen Besuch in „The Forks“ nutzen konnten. So ging auch für uns eine Reise zu Ende, wie wir sie noch nie erlebt hatten. Sicherlich war es die bewegendste und wohl auch schönste Reise, die wir je gemacht hatten.

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DEN EMERGENCE QUEST

2019