Nordostpassage 2014

Bereits im 16. Jahrhundert hat Willem Barents erste Polarexpeditionen zur Nordostpassage unternommen. Damals war man sich noch nicht sicher, ob es überhaupt einen Seeweg nördlich von Russland gibt. Doch aufgrund des dichten Eises und der einfachen Schiffe sah man keine Möglichkeit, dies zu überprüfen, geschweige denn einen solchen Seeweg zu nutzen.

Erst vor rund 150 Jahren hat der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskjöld dann erstmals erfolgreich die Nordostpassage durchfahren. Er startete im Juli 1878 in Schweden und erreichte im September 1879 Japan. Bis zur kommerziellen Nutzung vergingen aber nochmals viele Jahre. Erst in der jüngeren Vergangenheit versucht Russland, die “Northern Sea Route” als Abkürzung für den Frachtverkehr zwischen Asien und Europa zu etablieren.

Als erstes nicht russisches Passagierschiff durchquerte die MS Hanseatic 2014 erfolgreich die Nordostpassage. Damit gelang, was von der Reederei Hapag-Lloyd rund 10 Jahre Planung und Vorbereitung erfordert hat. Die Durchquerung dauerte glücklicherweise deutlich weniger lange als bei Nordenskjöld: Die Hanseatic war gut 3 Wochen unterwegs, Nordenskjöld 14 Monate. Doch der Reihe nach...

Reisevorbereitungen

Wir waren uns bewusst, dass es diverse Gründe gab, an denen dieses Reisevorhaben hätte scheitern können. Da war einerseits die Eissituation, die trotz milderen Temperaturen in der Arktis nach wie vor unberechenbar ist. Und andererseits, und wohl noch weniger planbar, war die erforderliche Genehmigung von Präsident Putin höchstpersönlich. Denn eine solche Passage durch russisches Hoheitsgebiet benötigt unzählige Genehmigungen, unter anderem auch vom russischen Militär. Solche Genehmigungen werden kurzfristig erteilt und auch wieder entzogen. Der finale Entscheid, ob die Reise wie geplant stattfinden konnte, würde also erst bei der Einklarierung nach Russland getroffen.

Auch persönlich erfordert eine solche Reise einiges an Vorbereitung. Zuerst ist da das russische Visum, das höchstens drei Monate vor der Reise beantragt werden kann, spätestens aber drei Monate vor Reisebeginn der Reederei vorgelegt werden musste. Dank Visa-Büros in der Schweiz und Deutschland wurde aber auch diese Herausforderung gemeistert. Russische Visa setzen voraus, dass man den Nachweis über ausreichende Barmittel erbringt (Bestätigung, dass man über ein Vermögen von mindestens 1000 Schweizer Franken verfügt...) und eine Rücktransport-Bestätigung der Krankenversicherung beibringt (für den Krankheits- und vor allem Todesfall). Das bringt einen so richtig in Reisestimmung...!

Letztlich war dann aber alles geregelt und die Winterkleidung für unsere Sommerreise durch die russische Arktis eingepackt. So machten wir uns auf den Weg nach Nome, Alaska.

Nome

64°31’N | 165°25’W ● U.S.A.

Von Nome sagt man, dass es nicht der A... der Welt sei, man ihn aber von dort aus sehen könne... Entsprechend war auch die Anreise mit einigem Aufwand verbunden. Von Zürich über Frankfurt flogen wir zunächst nach Vancouver. Bereits im Lufthansa-Flug wurden die Gäste der Hanseatic speziell willkommen geheissen. Nach der Landung in Vancouver dann die erste Beruhigung: Alle Gepäckstücke waren angekommen. Vier Wochen in der russischen Arktis mit nur gerade dem Handgepäck wäre eine sehr unschöne Vorstellung gewesen...

Weiter ging‘s nach einer Übernachtung in Vancouver dann frühmorgens mit einem Sonderflug der Air Miami direkt nach Nome. Weil die MS Hanseatic noch von den Spuren der abreisenden Gäste befreit werden musste, standen für uns zunächst eine leckere Tomatensuppe und Chocolate Chip Cookies im Gemeindezentrum von Nome auf dem Programm. Nach einem kurzen Rundgang durch den Ort, der übrigens der Zielort des bekannten Iditarod Hundeschlittenrennens mit Start im südlicher gelegenen Anchorage ist, wurden wir in typisch amerikanische Schulbusse verfrachtet. Mit diesen machten wir eine Rundfahrt in und um Nome. Das Highlight war eine Gruppe von Moschusochsen, die wir aus nächster Nähe betrachten konnten. Moschusochsen sind an sich Pflanzenfresser. Doch sind sie für Menschen und Schlittenhunde dennoch gefährlich. Denn sie sind wohl nicht besonders schlau und sehen in jedem anderen Lebewesen eine Bedrohung, die im Idealfall zu Tode getrampelt werden soll. Also schön Abstand halten...!

Schliesslich war die Hanseatic bereit und wir konnten aufs Schiff gehen. Nach der langen Anreise war dies wirklich ein tolles Gefühl. Für uns war es unsere erste Reise mit der „Hanse“. Doch wir fühlten uns sogleich wohl an Bord. Nach der obligatorischen Rettungsübung legten wir auch bereits ab in Richtung Russland. Bei toller Abendsonne fuhren wir dicht an der heute unbewohnten King Island vorbei. 

Die Beringstrasse zeigte sich erfreulich ruhig. Den in dieser Region etwas eigenartig verlaufenden Zeitzonen und der Datumsgrenze sei Dank war die folgende Nacht 4 Stunden länger. Dafür folgte auf den Mittwoch gleich der Freitag. 

Providenjia

64°25’N | 173°13’W ● Russland

Providenjia ist ein ehemaliger russischer Militärstützpunkt. Doch heute leben die Menschen hier vor allem von der Jagd, von einem bisschen Tourismus und vom russischen Staat. Denn wirklich viele Einkommensquellen gibt es in diesem abgeschiedenen Ort mit 2000 Einwohnern nicht. Für uns war Providenjia der wichtigste Hafen der ganzen Reise. Denn hier entschieden die Behörden, ob wir einreisen und in die Nordostpassage einfahren durften. Und zum Glück waren die Behörden uns wohl gesonnen: Freie Fahrt für die Hanseatic!

So konnten wir nach einem Face Check an Land gehen und uns einen Überblick über den Ort verschaffen. Da gab‘s zum einen ein interessantes, kleines Museum mit diversen Gegenständen aus Tierprodukten. Gut, einen wasserdichten Parka aus Walross-Darm muss man jetzt nicht unbedingt haben, aber spannend war es allemal. Ebenfalls sehenswert war die Folklore-Show, welche von einer lokalen Tanztruppe vorgeführt wurde. Interessant war vor allem der Kontrast zwischen klassischer russischer Folklore und den Tänzen der Ureinwohner, der Inuit. 

Mit 148 Passagieren und einer Crew von 129 Personen nahm die MS Hanseatic am Abend Kurs auf die legendäre Nordostpassage. 

Litke Harbour & Lawrentiya

65°35’N | 170°59’W ● Russland

Die erste Zodiac-Anlandung dieser Reise fand mitten in der Natur, in Litke Harbour, statt. Einige zerfallende Hütten, ein rostiges Bootswrack und ein Walskelett vermittelten zunächst einen etwas verlassenen Eindruck. Doch die frischen Bärenspuren und vor allem ein süsses arktisches Ziesel zeigten, dass hier durchaus Leben existiert. 

Bereits am Nachmittag folgte eine weitere Anlandung einige Seemeilen nördlich im Ort Lawrentiya. Dort fand gerade ein Volksfest statt. Die Kinder aller umliegenden Orte führten zahlreiche Tänze auf. Betanzt wurde vom Wal über die Robbe, den Kranich, die nicht vorhandenen Walrosse und die Grossmütter alles. 

So endete ein erlebnisreicher erster Expeditionstag in der russischen Arktis. An Bord folgte vor dem Abendessen der übliche Recap (Tagesrückblick) und Precap (Ausblick auf den nächsten Tag) unserer Lektoren.

Big Diomede & Kap Dezhnev

66°4’N | 169°39’W ● Russland

Die Strecke bis zum Kap Dezhnev ist nicht weit, so dass wir Zeit hatten für einen Abstecher zu den Diomeden-Inseln. So fuhren wir entlang der russisch-amerikanischen Grenze zwischen Big Diomede (Russland) und Little Diomede (U.S.A.) und konnten dank des starken Windes sogar beide Inseln ohne Nebel sehen. Zwar waren wir einige hundert Meter von Big Diomede entfernt, doch konnten wir die dort am Strand liegenden Walrosse sowohl sehen als auch riechen. Es scheint der Verdauung nicht besonders zuträglich zu sein, wenn man nur Muscheln frisst…

Der weitere Vormittag stand dann ganz im Zeichen einer Wanderung zum Leuchtturm von Kap Dezhnev. Dieses stürmische Kap ist der offizielle Startpunkt der Nordostpassage und gleichzeitig der östlichste Punkt des eurasischen Kontinents. Trotz Sonnenschein sorgten die gut sechs Windstärken dafür, dass wir auch beim Aufstieg zum Leuchtturm nicht ins Schwitzen kamen.

Nach diesem schönen Ausflug machten wir an Deck der Hanseatic einen “Anfängerfehler”: Wir setzten uns zum Mittagessen an einen der äusseren Tische des Bistro Lemaire. Solange die Hanseatic im Windschatten von Kap Dezhnev lag, war dies auch schön angenehm. Doch als die Hanseatic diesen Windschatten verliess, flogen plötzlich Stühle und Gedecke übers Deck. Zumindest waren unsere Teller schon leer…

Der geplante Nachmittagsstopp in Inchoun ist dann leider einer zu hohen Dünung am Strand zum Opfer gefallen.

Kolyuchin Insel & Kap Vankarem

67°27’N | 174°36’W ● Russland

Kolyuchin ist eine Insel vor der russischen Küste, die vor allem für ihre Vogelpopulation bekannt ist. Zuerst besichtigten wir einen riesigen Vogelfelsen per Zodiac-Rundfahrt von unten. Aufgrund des günstigen Wetters konnten wir daraufhin sogar an Land gehen und denselben Vogelfelsen von oben betrachten. Dies war noch deutlich faszinierender, konnten wir die Tiere doch aus nächster Nähe beobachten. Neben den Trottel-Lummen, die durchaus eleganter aussehen als es ihr Name vermuten lässt, hatten es uns vor allem die papageienartigen Horn-Lunde angetan.

Nach einem leckeren BBQ an Deck der Hanseatic stand am Nachmittag die letzte Anlandung auf dem russischen Festland auf dem Programm. Denn danach würden wir bis Murmansk voraussichtlich nur noch Inseln anlaufen. Zwar konnten wir in Vankarem an Land gehen. Doch die geplante Wanderung konnten wir nicht durchführen, da auf der Halbinsel des Kap Vankarem hunderte Walrosse lagen. Diesen darf man sich keinesfalls nähern, da sie sonst in Panik geraten und ins Meer flüchten könnten. Einerseits würde das unnötige Energie kosten, welche die Tiere während des Fellwechsels im Sommer nicht haben. Und andererseits bestünde die Gefahr, dass bei einer solchen “Stampede” Jungtiere zerquetscht würden. So genossen wir den Anblick aus einiger Distanz.

Wrangel Insel

71°13’N | 178°54’E ● Russland

Wrangel liegt auf ziemlich genau 180° Ost resp. West. Sie ist nach dem deutschen General Wrangel benannt, weshalb wohl auch die deutsche Aussprache des Namens die korrekte ist. Bis vor einigen Jahren war diese Insel im Sommer jeweils von einem dicken Treibeisgürtel umgeben und damit häufig gar nicht zugänglich. Doch die steigenden Temperaturen in der Arktis sorgen seit einigen Jahren für mehrheitlich eisfreies Wasser rund um die Insel. Wir konnten also wie geplant bei der verlassenen Siedlung Somnitelnaya an Land gehen. Lediglich einige Ranger sind hin und wieder dort, weil Wrangel ein Naturschutzgebiet ist.

Auf Wrangel blühte die arktische Tundra in allen Farben. Wirklich wunderschön! Und wenn man genau hinschaute, konnte man sogar den Wald sehen. Dieser besteht hier aus Polarweiden, die gerade mal fünf Zentimeter hoch werden. So steht also durchaus mal ein viele Jahrzehnte alter Baum im Schatten eines Polarmohns… Auf Wrangel leben zahlreiche Eisbären, weshalb unsere Bärenwächter permanent mit den Ferngläsern die Landschaft absuchten. Bären sahen wir keine, dafür Stosszähne eines Mammuts. Diese Tiere lebten hier noch bis vor 4000 Jahren. Erst dann starben sie auch auf Wrangel aus.

Am Nachmittag landeten wir bei Kap Blossom an, nachdem wir auf dem Weg dorthin einen schwimmenden Eisbären und drei weitere an Land gesichtet hatten. Alle waren aber so weit von unserer Landestelle entfernt, dass wir problemlos an Land gehen konnten. Woher Kap Blossom seinen Namen hat, ist nicht klar. Denn es handelt sich um eine Steinwüste, auf der unzählige Walross-Skelette liegen. Kein sehr einladender Ort…

Da auch unser morgiger Stopp auf Wrangel lag - und damit nur rund 30 Seemeilen entfernt war - blieben wir die ganze Nacht vor Kap Blossom vor Anker. Der nächste Morgen brachte uns kein Wetterglück. Sowohl bei Kap Blossom als auch beim geplanten Ziel Kap Florence lag dichter Nebel mit einer Sichtweite von weniger als 500 Metern. Bei diesen Wetterverhältnissen wäre eine Anlandung viel zu gefährlich, da man Eisbären nicht rechtzeitig entdecken würde. Und auch der zweite geplante Stopp beim Kap Fomui fiel dem Nebel zum Opfer.

So fuhr die Hanseatic langsam durch die Eisfelder vor Wrangel. Immer wieder erzitterte das Schiff, wenn wir eine grössere Scholle rammten. Dank hoher Eisklasse mussten wir uns dabei keine Sorgen machen, doch ein spezielles Gefühl war es dennoch. Dann plötzlich eine Durchsage der Brücke: “Eisbär voraus Richtung Steuerbord.” Sofort wurden die Maschinen gestoppt und Kapitän Natke manövrierte die Hanseatic nahe an die Eisscholle, auf der sich der Eisbär aufhielt. Dieser fand das wohl spannend und setzte sich regelrecht in Szene. Mal betrachtete er sein Spiegelbild im Wasser, mal stellte er sich auf die Hinterbeine, mal schwamm er ein Stück und einmal zeigte er sogar sein gewaltiges Gebiss. So wurde ein nebliger, unfreiwilliger Seetag zum bisherigen Höhepunkt dieser Reise.

Auch im weiteren Verlauf sahen wir immer wieder Eisbären, allerdings in etwas grösserer Distanz. Offensichtlich gibt es in der russischen Arktis noch genügend Nahrung für diese beeindruckenden Tiere, denn alle waren wohlgenährt und sahen gesund und kräftig aus.

Ajon

70°18’N | 170°49’E ● Russland

Die 260 Seemeilen von Wrangel nach Ajon bescherten uns fast einen ganzen Seetag. Diesen verbrachten wir mehrheitlich auf dem Sonnendeck und auf der tagsüber jederzeit zugänglichen Brücke. Dort erfuhren wir viel Wissenswertes vom diensthabenden Sicherheitsoffizier. Und wir lernten Lars und Jule kennen, zwei Stoffeisbären, die seit vielen Jahren auf der Brücke der Hanseatic mitreisen. In der Antarktis übernimmt dann jeweils ein Stoffpinguin diese Funktion…

Bei wunderbarer Abendsonne erreichten wir Ajon. Wie viele (resp. wie wenige) Menschen hier genau wohnen, weiss man nicht. Aber die Rentiere hat man offenbar mal gezählt: 33’000 sollen es sein! Trotzdem bekamen wir nur einige Menschen aber keine Rentiere zu Gesicht. Erstaunlich war, dass hier in kleinen Treibhäusern sogar Gemüse angepflanzt wird und hinter dem einen oder anderen Fenster eine Hauskatze an der Sonne sass. Kurz nach 20:00 nahm die Hanseatic dann Kurs auf die Medvezhi Inseln.

Chetyrekhstolbovoy & Krestovskiy Inseln

70°52’N | 161°26’E ● Russland

Unsere heutigen Stopps gehören zu den Medvezhi Inseln. Medved ist russisch für Bär oder Eisbär. Die Medvezhi Inseln sind also die Bäreninseln. Bereits frühmorgens näherten wir uns der Insel Chetyrekhstolbovoy, deren Namen wir trotz mehrerer Versuche nicht aussprechen konnten. Offenbar heisst der Name sinngemäss “die Insel mit den vier Zinnen”. Das leuchtet ein, sind die Erkennungszeichen dieser Insel doch tatsächlich vier hoch aufragende Steinsäulen.

Wir konnten bei bestem Wetter eine ausgedehnte Wanderung zu genau diesen vier Zinnen unternehmen. Über teils grosse Steinblöcke wanderten und kletterten wir mit unseren leihweise erhaltenen Expeditionsgummistiefeln in Richtung dieser 30 Meter hohen Türme. Dass Gummistiefel keine Wanderschuhe sind, bemerkten wir daran, dass diese prompt “leck schlugen” und uns damit beim Einstieg in die Zodiacs nasse Füsse bescherten. Doch glücklicherweise führte die Hanseatic ausreichend viele Ersatzexemplare mit.

Auf der Insel standen einige langsam zerfallende Gebäude. Diese waren von ihren Bewohnern offenbar fluchtartig verlassen worden. Denn im Innern standen Möbel herum und es lagen sogar alte Filmrollen und ein Feuerlöscher auf dem Boden. Zu gerne hätten wir unsere Neugier gestillt, was wohl auf diesen Filmen drauf war. Aber natürlich gilt auch in der russischen Arktis: nichts liegen lassen, nichts mitnehmen! Zumindest als Besucher. Denn fast überall in der russischen Arktis sieht man vor sich hin rostende alte Treibstoff-Fässer. Die ehemaligen Bewohner nahmen es also mit dem “nichts liegen lassen” nicht so genau.

Auf dem Weg zum zweiten Stopp sahen wir in der Ferne fünf Grönlandwale. Aufgrund ihrer dicken Fettschicht wurden diese Wale besonders stark bejagt und damit fast ausgerottet. Früher bezeichneten die Walfänger diese Art sogar als “Right Wale”, weil er einerseits so ergiebig war und andererseits wegen seiner Fettschicht nach dem Erlegen an der Wasseroberfläche schwamm. Heute stehen diese Tiere glücklicherweise unter strengem Artenschutz!

Nach der unaussprechlichen Anlandung am Vormittag, war der Nachmittag mit einer Anlandung auf der Kreuz-Insel, Krestovskiy Island, diesbezüglich deutlich einfacher. An Land sahen wir eine Bärenspinnerraupe, deren englischer Name deutlich attraktiver ist: Woolly Bear Caterpillar. Die Besonderheit dieser Raupe ist, dass sie die kurzen arktischen Sommer nutzt, um zu fressen und sich danach wieder für rund 11 Monate eingräbt. Dank Glykol im Körper nimmt sie auch bei tiefen Minustemperaturen keinen Schaden. Doch dauert es wegen diesen kurzen Wachstumsperioden 14 Jahre, bis aus ihr ein Schmetterling schlüpft.

Nach diesem spannenden Tag auf den Bäreninseln nahm die Hanseatic Kurs auf die neusibirischen Inseln.

Belkovskiy Insel

75°33’N | 135°50’E ● Russland

Aufgrund der grossen Distanz zu den neusibirischen Inseln stand gestern ein Seetag auf dem Programm. Ohne besondere Ereignisse fuhren wir durch das teilweise nur zehn Meter tiefe Wasser Richtung Nordwesten.

Am Tag unserer Ankunft bei den neusibirischen Inseln wurden wir bereits um 03:00 von einem Krachen und Knirschen geweckt, das wir mittlerweile gut kannten: die Hanseatic fuhr durchs Eis. Auch einige Stunden später waren wir immer noch in dichtem Eis. Bei wunderbarem Licht kämpften wir uns langsam in Richtung der Polarforschungsstation, die wir besuchen wollten. Doch an eine Anlandung war nicht zu denken: Das Eis war viel zu dicht für die Zodiacs. Wir genossen stattdessen die schöne Aussicht. Etwas ärgerlicher war es sicher für die Besatzung der Forschungsstation. Denn diese hatten sich wohl auf frische Salate und Obst gefreut, die als Gastgeschenk geplant gewesen wären.

Bei mittlerweile regnerischem Wetter suchten wir am Nachmittag eine Landestelle auf der Belkovskiy Insel. Nachdem noch niemand von unserer Crew jemals hier war, musste zuerst eine geeignete Stelle gefunden werden. Der Kapitän entschied sich schliesslich für einen schwarzen Kiesstrand mit beeindruckenden Schieferklippen. Trotz Regen genossen wir diese Anlandung mitten im Nirgendwo.

Kurz darauf nahmen wir Kurs auf eine weitere Inselgruppe der neusibirischen Inseln, die De Long Inseln. Vielleicht würden wir ja auf dem Weg dorthin Sannikov Island finden. Denn Sannikov Island ist das Atlantis der Arktis. Die Insel kommt in vielen Reiseberichten vor, u.a. auch in jenen von Nordenskjöld. Doch leider kann heute keiner diese Insel finden. Man weiss nicht, ob es sich um eine Fatamorgana, Seemannsgarn oder vielleicht wirklich eine weg-erodierte flache Insel im untiefen Wasser handelte.

Sannikov Island entdeckten wir nicht. Doch gegen Mitternacht zeigte sich plötzlich wieder die Sonne am Himmel und bescherte uns einen tollen Abschluss dieses Expeditionstages.

Bennett Insel

76°46’N | 149°31’E ● Russland

Nach einem Frühstück an Deck, das dank Wärmestrahlern und Wolldecken richtig gemütlich war, kamen wir vor Bennett Island an. Bennett gehört eigentlich zu Russland. Doch seit der amerikanische Polarforscher De Long diese Inselgruppe 1881 entdeckt hat, erheben die U.S.A. ebenfalls Anspruch darauf. Doch wurde dieser Anspruch nie formell durchgesetzt.

Bennett Island ist klein und unbewohnt und man findet auch keine Aufzeichnungen über geeignete Landestellen. Doch die Expeditionsleitung der Hanseatic fand schliesslich eine geeignete Stelle, wo wir mit den Zodiacs an Land fahren konnten. Dort konnten wir eine ausgedehnte Wanderung entlang des Kiesstrandes unternehmen. Am Ende dieses Strandes lagen zwei Walrosse, die überhaupt nicht scheu waren. So konnten wir uns vorsichtig bis auf wenige Meter nähern. Einfach toll!

85°N

85°40’N | 136°4’E ● Eisgrenze

Eigentlich hätten wir auf dieser Reise auch Franz-Josef-Land besuchen wollen. Doch das russische Militär entzog uns die zuvor vom russischen Tourismus-Ministerium erteilte Genehmigung für ein Anlaufen dieser Inselgruppe im Nordpolarmeer kurzfristig wieder. Weil nun also drei Tage Franz-Josef-Land wegfallen würden, hatten wir Zeit für andere Unternehmungen. Eine dieser Unternehmungen war, so weit nach Norden zu fahren, wie es die Eissituation zuliess. Denn Kapitän Natke hat auf seinen Eiskarten festgestellt, dass das eisfreie Wasser dieses Jahr ausserordentlich weit in den Norden reichte. Die Spannung war entsprechend gross, wie weit wir es nach Norden schaffen würden.

Am zweiten Tag dieses Abenteuers erreichten wir am Vormittag bei 85°N etwas dichteres Eis. Der Kapitän beschloss daher, die Zodiacs zu Wasser zu lassen und eine Zodiac-Rundfahrt zu unternehmen. Denn so weit nördlich war noch nie ein konventionell angetriebenes Schiff gekommen. Und ein Zodiac ist auf einer solchen Breite erst recht noch nie gefahren. So hielt unser erster Offizier denn diesen denkwürdigen Moment auch mit der Erkenntnis fest “I am the first man on 85° North in a rubber boat”.

Nach dieser nördlichsten Zodiacfahrt aller Zeiten schaffte es die Hanseatic noch ein bisschen weiter nach Norden. Um 12:38 war dann bei 85°40.8’N 136°04.4’E Schluss. Weltrekord für ein Passagierschiff!

Auch auf dem Weg nach Süden kamen wir immer wieder durch Eisfelder. Stellenweise bildete sich bereits wieder neues Eis. Und weil es letzte Nacht leicht geschneit hatte, bauten wir an Deck unseren nördlichsten Schneemann. Mit etwa 20cm erreichte er aber zumindest von der Grösse her keine Rekordmasse…

Bolschewik Insel

77°58’N | 109°17’E ● Russland

Nach drei Tagen nördlich von 80°N mutete unsere heutige Position mit rund 78°N schon fast wieder südlich an. Doch die Landschaft zeigte ein anderes Bild. Denn wir hätten eigentlich Kap Tscheljuskin, den nördlichsten Punkt des eurasischen Festlandes anlaufen wollen. Doch vor der Küste lag so viel Eis, dass daran nicht zu denken war. Daher nutzten wir die Eissituation und die gewonnene Zeit für eine Anlandung der besonderen Art. Mitten in der Wilkizki-Strasse, einer Meerenge, konnten wir eine Eisscholle betreten. Diese war so gross, dass sie sich eigentlich wie Festland anfühlte. Und doch war da die Gewissheit, dass unter uns mindestens 200 Meter eiskaltes Wasser war. Spannend war auch, wie schnell sich diese Eisscholle fortbewegt hat: in den rund zwei Stunden, die wir dort verbrachten, hat sie sich rund 5 Seemeilen bewegt.

Am Nachmittag hätten wir bei einer verlassenen Polarforschungsstation auf der Bolschewik Insel an Land gehen wollen. Doch einen ersten Eisbären sahen wir schon von weitem. Und wir mussten befürchten, dass sich in der verlassenen Station noch weitere verstecken könnten. Das wäre für eine Anlandung natürlich viel zu gefährlich gewesen. Daher fuhr die Hanseatic weiter zu einer nächsten Bucht, der Solnetschnaja Bucht. Auf Deutsch heisst diese Sonnenschein-Bucht und sie machte ihrem Namen alle Ehre. Denn nach einem mehrheitlich trüben Tag gingen wir bei schöner Abendsonne an Land und genossen einen ausgiebigen Spaziergang über die Tundra. Denn wegen unseres Abstechers nach 85°N hatten wir schon einige Tage keinen festen Boden mehr unter den Füssen. 

Auch die Nacht verbrachten wir in der Solnetschnaja Bucht vor Anker.

Akhmatova Fjord & Mikojana Bucht 

78°50’N | 102°33’E ● Russland

An sich hätten wir heute die Oktoberrevolutionsinsel anlaufen wollen. Doch weil es auf der Bolschewik Insel so schön war, entschied der Kapitän, nochmals einen Tag dort zu verbringen. Und die Entscheidung war richtig. Denn kaum fuhren wir in den Akhmatova Fjord ein, lichtete sich der morgendliche Nebel und machte strahlendem Sonnenschein Platz. Mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bildete sich auf dem Wasser bereits wieder eine dünne Eisschicht. Wir fuhren mit der Hanseatic wie durch eine dünne Glasschicht. Es klirrte und knirschte richtig laut - ein wunderbares Schauspiel. 

Wir verbrachten daraufhin einen sonnigen Vormittag an Land. Die bereits verblühten Pflanzen waren mit Eiskristallen überzogen. Daran kann man erkennen, wie kurz hier der Sommer ist. Nach dieser wunderschönen Anlandung nahm die Hanseatic Kurs auf die Mikojana Bucht, unserem Ziel für den Nachmittag. Die Ausfahrt aus dem Akhmatova Fjord war genauso spektakulär wie die Einfahrt. Bei kompletter Windstille bewegte sich das Wasser überhaupt nicht. Auf den (zahlreichen) Fotos konnten wir kaum erkennen, was oben und was unten ist...

In der Mikojana Bucht trieben viele Eisberge. Das war genau die richtige Umgebung für eine Zodiac-Rundfahrt. Die Sonne schien zwar weiterhin, doch war es mittlerweile recht windig. Das machte die Rundfahrt zu einem schönen aber nassen Erlebnis. Beruhigt stellten wir fest, dass unsere Sony A7R-Kameras erstaunlich wasserfest waren! 

Zhuravlov Golf & Schmidt Insel

80°41’N | 92°57’E ● Russland

Bereits frühmorgens fuhren wir auf der Westseite der Komsomolets Insel in den Zhuravlov Golf ein. Zunächst lag dichter Nebel vor der Küste, was eine Anlandung verunmöglicht hätte. Doch wie schon öfter auf dieser Reise lichtete sich dieser Nebel und wir konnten wir geplant an Land gehen. Zwar wurde in der Nähe ein Eisbär gesichtet, doch da sich dieser rasch entfernte, stellte er für uns keine Gefahr dar. So genossen wir einen schönen Spaziergang in der russischen Arktis.

Am Nachmittag wollten wir die Schmidt Insel erkunden. Für den Weg dorthin benötigten wir etwas mehr Zeit, da die Hanseatic wegen Reparaturarbeiten an einem Antrieb nur mit halber Kraft fahren konnte. Für heute stellte das kein Problem dar und der Kapitän war zuversichtlich, dass die Reparatur erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Die Schmidt Insel ist fast komplett von einem Gletscher bedeckt. Nur im Norden kann man in einer eisfreien Bucht an Land gehen. Doch genau dort sass ein grosser Eisbär. Daher fuhren wir noch etwas weiter, bevor wir dann doch an Land gehen konnten. Doch schon vom Zodiac aus konnten wir den Bären auf der mittlerweile gegenüberliegenden Seite der Bucht sehen. Offenbar hatte er schon länger keine Robbe mehr erlegt, denn er frass mit kleiner Begeisterung Seegras. Für uns stellte dieser Bär keine Gefahr dar, doch mussten wir sicherheitshalber nahe an der Landestelle bleiben und unsere Rettungswesten anbehalten. So wären wir schnell wieder weg gewesen, hätte der Bär angefangen, sich in unsere Richtung zu bewegen.

Vize Insel

79°20’N | 76°34’E ● Russland

Auf dem Weg nach Nowaja Semlja liegt die Vize Insel (ausgesprochen wird sie „Wiese“). Normalerweise ist diese wegen Treibeis nicht zugänglich. Doch die aktuelle Eissituation liess es zu, dass wir eine Anlandung auf dieser Insel planten. Es gibt dort eine Polarforschungsstation, deren Besatzung sich schon auf unseren Besuch, resp. vermutlich vor allem auf unsere Gastgeschenke freute. Bei Windstärke 6 und starker Dünung erschien es mehr als fraglich, ob eine Anlandung möglich sei. Doch der erste Offizier, der Expeditionsleiter und unser russischer „Verbindungsmann“ unternahmen doch einen Versuch, mit dem Zodiac an Land zu fahren. Keine Chance! Sehr nass kehrten sie kurz darauf auf die Hanseatic zurück. Die Polarforscher würden also leer ausgehen. Wir waren diese Saison das vierte Schiff, das eine Anlandung versucht hat. Keinem ist es gelungen. Vermutlich steht also nun Dosenfleisch statt frischem Salat auf dem Speiseplan der Polarforscher. 

Bei zunehmend bewegter See fuhren wir weiter Richtung Nowaja Semlja.

Vitnay Bucht

76°27’N | 69°1’E ● Russland

Auf Nowaja Semlja ist der grösste Teil militärisches Sperrgebiet. Denn hier hat das russische Militär früher seine Atomwaffen getestet. Doch an einigen Stellen ist ein Landgang möglich. Und eine solche Stelle haben wir uns für die heutige Anlandung ausgesucht: Kap Zhelanja. Einerseits mussten wir dort den hier obligatorischen lokalen Ranger an Bord nehmen, andererseits wollten auch wir an Land gehen. Ersteres klappte problemlos. Doch das zweite Vorhaben scheiterte an den rund 15 Eisbären, die sich rund um die Station tummelten. Doch auch ohne Landgang war der Anblick der verschneiten Küste sehenswert.

Der Nachmittags-Stopp klappte dann aber. Wir landeten in der Vitnay Bucht an, die direkt neben der Barents Bucht liegt. Von unserer Landestelle unternahmen wir eine Wanderung zum Gedenkkreuz zu Ehren von Willem Barents, dem Namensgeber der Barentsee. Ende des 16. Jahrhunderts verbrachte dieser einen Winter hier und ist letztlich auch in dieser Gegend verschollen. Auf unserer Wanderung entdeckten wir zahlreiche kleine Blütenpflanzen, welche die kurze Vegetationsperiode nutzten. Und direkt neben unserem Pfad befand sich eine Wurfhöhle einer Eisbärin. Man konnte im Geröll sogar noch einige weisse Eisbären-Haare sehen!

Nachdem wir wieder mal ausgiebig „Auslauf“ hatten, genossen wir beim Abendessen einen wunderschönen Sonnenuntergang.  

Inostransteva Bucht

76°53’N | 66°54’E ● Russland

An diesem Vormittag wäre eine Anlandung bei den Nowaja Semlja vorgelagerten Oranskie Inseln geplant gewesen. Doch Sturm, Schneefall und zu hohe Wellen am Strand verunmöglichten eine Anlandung. So mussten wir unverrichteter Dinge wieder nach Kap Zhelanja zurückfahren, wo wir unseren Ranger absetzen mussten. Auch die zahlreichen Eisbären waren nach wie vor dort.

So nahmen wir Kurs Süd, allgemeine Richtung Murmansk. Doch wir wollten noch einen Abstecher in die Inostransteva Bucht machen. Grundsätzlich dürfte man ohne Ranger an Bord nur mit der Hanseatic in die Bucht rein und wieder rausfahren. Weil wir aber offenbar keine Bedrohung aus Sicht der russischen Verwaltung darstellten, wurde uns erlaubt, auch ohne Begleitung eine Zodiac-Rundfahrt zu machen. 

Anfangs bei Schneefall, doch dann bei immer besserem Wetter unternahmen wir eine spektakuläre Zodiac-Fahrt zwischen blau leuchtenden Eisbergen. Überall knisterte und krachte das Eis. Wenn Gletschereis schmilzt, knistert es deutlich hörbar. Denn im Eis sind kleine Luftblasen eingeschlossen, die beim Schmelzen entweichen.  

Diese wunderschöne Rundfahrt war unser letzter Expeditionsstopp dieser Reise. Denn nach rund drei Wochen würden wir in Murmansk erstmals wieder an einer Pier festmachen. 

Am Abend stand auf dem Schiff eine Crew-Show auf dem Programm. Dies ist ein seltenes Ereignis, da die Crew für die Vorbereitung viel Freizeit opfern muss. Das machen sie nur, wenn die Reise genug lang und die Gäste genug nett sind :-) ...und wenn sich der Kapitän bereit erklärt, während der Proben und der Show die Brückenwache zu übernehmen. Auf dieser Reise hat offenbar alles gepasst und wir kamen in den Genuss einer abwechslungsreichen, enorm lustigen Show. 

Kurs Murmansk

76°33’N | 52°2’E ● Barentsee

Nach dem abwechslungsreichen Programm der letzten Tage genossen wir die beiden Seetage auf dem Weg nach Murmansk. Hin und wieder kreuzten Buckelwale unseren Kurs. Ansonsten verbrachten wir ruhige Tage an Bord der Hanseatic.  

Nachdem wir die letzten 10 Tage aufgrund der nördlichen Breite keinen Satellitenempfang und damit auch kein Internet hatten, waren wir heute erstmals wieder online. So erfuhren wir auch, dass wir uns wegen unserer entzogenen Bewilligung für Franz-Josef-Land nicht wirklich ärgern mussten. Dort lag dieses Jahr so viel Eis, dass eine Anlandung nur an wenigen Stellen möglich gewesen wäre. Da waren wir wohl mit unserem Abstecher nach 85°N besser gefahren.

Murmansk

68°57’N | 33°2’E ● Russland

Mit der Ankunft in Murmansk hatten wir die Nordostpassage offiziell erfolgreich durchquert. Murmansk liegt an einem schönen Fjord, bietet aber selber wenig Reizvolles. Da halfen der grosse Kohlehafen und die zahlreichen Plattenbauten auch nicht wirklich weiter. Nach den letzten Wochen in der Wildnis war unser Aufenthalt in einer 300´000-Einwohner-Stadt aber schon etwas gewöhnungsbedürftig. 

Nach der Freigabe des Schiffes durch die Behörden konnten wir an Land gehen. Dort besichtigten wir den ehemaligen Atomeisbrecher Lenin. Die Kernreaktoren wurden entfernt und so ist heute auch ein Besuch der technischen Infrastruktur dieses Schiffs gefahrlos möglich. Es ist beängstigend und beeindruckend zugleich, mit welch rustikaler Technologie man früher in der Arktis unterwegs war. Und nicht viel beruhigender ist die Tatsache, dass auch heutige Atomeisbrecher eigentlich nur stärker, nicht aber wirklich viel moderner seien...

Bei der Ausfahrt aus dem Murmansk Fjord sahen wir russische Flugzeugträger, Atomeisbrecher im Wasser und im Trockendock und sogar den einzigen atombetriebenen Frachter weltweit. Irgendwie faszinierend und zugleich etwas unheimlich.

Auf jeden Fall wurde heute Abend die erfolgreiche Durchquerung der Nordostpassage gebührend auf dem kleinen Pooldeck der Hanseatic gefeiert. 

Hammerfest

71°12’N | 25°33’E ● Norwegen

Bei Sonnenschein aber ordentlichem Seegang fuhren wir heute Mittag beim Nordkap-Felsen vorbei. Diesen hatten wir ja auf unserer ersten Polarreise von oben besichtigt und waren begeistert, so weit nördlich zu sein. Nun, da wir von 85°N her kamen, wirkte dieser Ort schon fast mediterran! Auch das Wetter war mild und damit ideal für entspannte Stunden an Deck. 

Am Nachmittag erreichten wir dann Hammerfest. Bei weiterhin sonnigem Wetter war unser erster Stopp der „Eisbären-Club“, der eigentlich „The Royal and Ancient Polar Bear Society“ heisst. Für einen kleinen Beitrag kann man Mitglied in diesem erlauchten Kreis werden. Das haben wir natürlich gemacht und sind nun stolze Träger eines Eisbären-Pins. Die lebenslange Mitgliedschaft berechtigt zur Teilnahme an der Jahresversammlung jeweils im Januar. Der Ansturm wird sich in Grenzen halten. 

Wir nutzten die Abendsonne für einen Spaziergang durch den Ort und den sogenannten Zickzack-Weg hoch. Er machte seinem Namen alle Ehre. Dann nahmen wir Kurs auf unser letztes Ziel dieser Reise: Bodø. Im hellen Licht des Vollmondes fuhren wir durch die norwegischen Fjorde.

Bodø 

67°17’N | 14°23’E ● Norwegen

Bevor diese einzigartige Reise zu Ende ging, hatten wir nochmals einen Seetag. Doch dieser war natürlich nicht mehr ganz so entspannt, wie die vorhergehenden Seetage. Denn es mussten ja nach fast vier Wochen die Koffer gepackt werden. Das machte an sich schon keinen Spass, und die Aussicht, dass diese Reise damit ihr Ende findet, war genauso unerfreulich.

Doch nach vier Wochen, 22 Zodiac-Ausfahren, 8000 Fotos, 10 Offline-Tagen und einer kompletten Umrundung der Erde darf man sich natürlich nicht beklagen. Wir hatten eine wunderbare Zeit an Bord und haben mehr Eindrücke sammeln können, als wir verarbeiten konnten. Das wird wohl noch Wochen dauern!

Ebenfalls erstaunlich ist, dass wir bis zum letzten Tag frisches Obst und Gemüse und sogar frischen Salat hatten. Da hat der Proviantmeister ganze Arbeit geleistet.

Wie immer am Ende einer Reise geht‘s Schlag auf Schlag: Packen, Koffer vor die Türen stellen, eine kurze letzte Nacht, ein letztes Frühstück, Abschied nehmen von neu gewonnenen Freunden und dann auf zum Flughafen.  

Während die Anreise nach Nome ja eine halbe Weltreise war, schafften wir die Rückreise von Bodø nach Zürich deutlich schneller. Und auch wenn die Koffer verstaut, die Wäsche gewaschen und die Fotos sortiert und bearbeitet sind, wird uns diese Reise ewig in Erinnerung bleiben. Wiederholung nicht ausgeschlossen...!

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NORTH EAST PASSAGE

2014